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Tag des offenen Denkmals® - 700 Besucherinnen und Besucher

[Artikel vom 15.09.2026]

© Museum Wasserburg.
© Museum Wasserburg.

700 Teilnehmende besuchten Wasserburger Denkmäler und überzeugten sich davon, wie Denkmale unsere Infrastruktur und Netzwerke in Vergangenheit und Gegenwart getragen und geprägt haben.
 
Der Fokus des Tags des offenen Denkmals® lag dieses Jahr auf dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Dabei wurde der Aspekt beleuchtet, welche Relevanz unsere Denkmäler als Knotenpunkte in den alltäglichen Strukturen und Verflechtungen unseres Lebens haben.
 
Los ging es am Vormittag mit einer Wanderung entlang der Gleisschienen der früheren Wasserburger Altstadtbahn. Vor 150 Jahren, im Mai 1876, wurde die Bahnstrecke Rosenheim-Mühldorf eröffnet – und damit auch der Raum Wasserburg eisenbahntechnisch erschlossen. Rainer Kurzmeier, Sprecher der Pro Bahn Ortsgruppe Wasserburg, gab einen sachkundigen Überblick über die bayerische Bahngeschichte und erläuterte die Hintergründe des Kuriosums, dass sich der „Bahnhof Wasserburg“ weit außerhalb der Stadt befindet.
Einst reich geworden als Knotenpunkt wichtiger Handelswege zu Land und zu Wasser, geriet die Stadt bei der Planung der zentralen Schienenstrecken Mitte des 19. Jahrhunderts ins Hintertreffen.
Vom Reitmehringer Bahnhof ging es entlang der mittlerweile recht zugewachsenen Bahnlinie zu Fuß Richtung Altstadt. Eine Station legte die Gruppe in Gabersee ein. Der Referent wies nachdenklich darauf hin, dass diese Bahnverbindung 1940 genutzt wurde, um über 500 Patienten der Anstalt Gabersee im Rahmen der T4-Aktion nach Linz zu bringen, wo sie nach Weitertransport in der Tötungsanstalt Hartheim ermordet wurden.
Als die Wandergruppe an der Stelle ankam, an der es 1987 zum Dammrutsch kam, ging Kurzmeier auf den langjährigen Rechtsstreit um die Altstadtbahn ein.
Nach gut 3,5 Stunden kam die Gruppe fast vollständig am Zielbahnhof „Wasserburg Stadt“ an. Kurzmeier erläuterte dort einige Besonderheiten dieses einst viergleisigen Bahnhofs, der „viel Betrieb auf wenig Raum“ zu bewerkstelligen hatte.
 
Stadtbaumeisterin Mechtild Herrmann referierte über die Rote Brücke, welche bis heute  eine zentrale Stelle in der Wasserburger Verkehrsführung ist. Erstmals um 1204 schriftlich belegt, bestand eine hölzerne Brücke vermutlich bereits im 11. Jahrhundert. Erste Abbildungen aus dem 16. bzw. 17. Jahrhundert zeigen mittig ein Wärterhäuschen sowie eine Zugbrücke am Brucktor. Die Brücke war nicht nur infrastrukturell bedeutend als Handels- und Verkehrsweg, sondern auch strategisch wichtig im Verteidigungsfall. Über die Jahrhunderte wurde sie mehrfach neu in gleicher Weise aus Holz errichtet. Nach einem Einsturz in Folge eines Eisstoßes im März 1929 erbaute man sie in wenigen Monaten erstmals mittels einer Stahl-Beton-Konstruktion. Die heutige Brücke stammt aus den Jahren 1982/83, wobei man sich am historischen Stadtbild orientierte, ohne aber dabei die Funktionalität zu vernachlässigen. Herrmann erläuterte auch die Folgen von Hochwasser für die Brücke. So musste diese beispielsweise im Jahr 2005 gesperrt werden. Ein Bagger entfernte im Wasser treibende Gegenstände, welche Schaden am Bau verursachen hätten können. Die Brücke überstand das Ereignis, lediglich ihre Holzverkleidung wurde zerstört.
 
Während die Rote Brücke früher Handelsfuhrwerke über den Verkehrsweg zu Land passierten, wurde der Inn als bedeutende Handelsstraße über Wasser genutzt und war somit weiterer zentraler Punkt in der Infrastruktur der Stadt. Sebastian Weger von der St. Nikolai-Schiffleut-Bruderschaft erzählte davon, wie mit dem Transport von Waren und Gütern über den Inn Wohlstand für die Wasserburger Bürger und Handwerker einhergingen. Befördert wurden etwa Rohstoffe wie Holz, Silber, Kupfer oder Marmor, aber auch Lebensmittel wie Getreide, Gewürze und Wein sowie exotische Tiere und ganze Armeen. Dabei konnte ein Schiffszug aus drei bis vier Plätten circa 200 Tonnen laden – dies entspricht der fünffachen Menge eines heutigen LKWs. Weger berichtete, dass Wasserburg die Rolle als Hafen Münchens zukam. So nutzten die bayerischen Kurfürsten ab Wasserburg den Inn als Verkehrsweg, um etwa nach Wien zu reisen. Auch beschrieb Weger die Arbeit der Schiffsleute, welche gefährlich und schwierig war – besonders wenn die Plätten innaufwärts mittels Pferden gezogen werden mussten. Mit dem Bau der Eisenbahn verlor die Innschifffahrt Mitte des 19. Jahrhunderts schließlich ihre Bedeutung.
 
Eine zentrale Rolle als Knotenpunkt in der Infrastruktur Wasserburgs spielt das Rathaus. Ingrid Unger erläuterte dessen Geschichte und Funktion. Das Rathaus besteht aus zwei Gebäudeteilen – dem mittelalterlichen, in seiner heutigen Form seit dem Neubau von Jörg Tünzl in den Jahren 1457–59 bestehenden Teil mit Zinnenbekrönung und dem neuen aus dem 19. Jahrhundert stammenden Teil. Im Rathaus kreuzten sich als Mehrzweckbau mehrere für die Stadt entscheidenden Orte. So waren hier u.a. sowohl die Kornschranne, das Brothaus, die Niederlage und Waage als auch die repräsentativen Säle untergebracht. Im Folgenden führte Unger durch die verschiedenen Räumlichkeiten. So erfuhren die Teilnehmenden etwa in der Ratsstube vom Besuch des bayerischen NS- Ministerpräsidenten im Jahr 1938, die eigens für ihn eingerichtet wurde; im Innenhof von der im Rathaus sitzenden Sparkasse; im Sitzungssaal von den früheren Bürgermeistern und wichtigen Persönlichkeiten, deren Porträts hier hängen; im Alten Archiv von den dort bis um das Jahr 2000 gelagerten städtischen Dokumenten, die bis ins Jahr 1301 reichen; und im kleinen und großen Rathaussaal von dem dort auf den Wänden gemalten Bildprogramm.
 
Unter dem Titel „Mit dem Türmer Brandschau halten“ führte Thomas Rothmaier 60 Minuten zum und auf den Stadtturm an der Frauenkirche. Dabei verband er wechselseitig Baugeschichte, Konstruktion und Sanierungen des Gebäudes mit dessen Funktion im Stadtgebiet und seiner Nutzung. Bereits 1310 inmitten der Stadt erbaut, diente der Turm wohl von Beginn an der Wacht über die Stadt, sei es mit Blick auf mögliche Feinde vor den Toren oder auf der Hut vor Bränden. Die Aufgabe des Türmers, der seine Stube und Wohnung auf dem Turm hatte, sind über den Eid, den er zu leisten hatte, gut nachvollziehbar: So musste jede Rauch- und Brandentwicklung über die Glocke bekannt gegeben werden, nachts stand er im Kontakt zum Nachwächter. 1503 erhielt der Turm sein Helmdach und seine Scharwachttürme, die die Wache auf dem Turm beschirmten. Ungefährlich war der Turmdienst nicht. Im 17. Jahrhundert wurde der 65 Meter hohe Turmhelm von einem Blitz in Brand gesteckt und er musste von mutigen Männern abgeschlagen werden. Da der Turm nur über das Kirchenschiff zu erreichen ist, eröffnete sich der Gruppe auch ein besonderer Blick von der Orgelempore und auf den Dachstuhl. Am Ende der Führung genossen die Teilnehmenden auf 45 m Höhe den herrlichen Blick über die Altstadt. Auch hierbei wurde die sich veränderte Dachlandschaft diskutiert: Statt Speichern birgt sie heute Wohnungen, dient mit ihren Terrassen der Erholung und zunehmend der Energiegewinnung.  
 
Das Netzwerk einer Handelsstadt erläuterte Stadtarchivar Matthias Haupt im Rahmen eines Stadtspaziergangs am Nachmittag. Nach einer Einführung im Stadtarchiv, die die Strukturen der alten Handelsstadt Wasserburg und ihre wichtigsten Plätze wie beispielsweise den Salzstadl vorstellte, führte die Teilnehmenden der Weg über die Rote Brücke bis in den Keller des Pensionats II des Heiliggeist-Spitals. Hier befand sich bis ins 17. Jahrhundert eine Fleischbank nah am Wasser, die Spital und Stadt mit Fleisch versorgte. Das an der Schiffslände am Inn gelegenen Spital war aber nicht nur eine Fürsorgeeinrichtung, sondern betätigte sich auch um Einnahmen zu generieren als Fuhrunternehmen, dass den Warenverkehr innerhalb der Stadt besorgte. Von der ehemaligen Schiffslände am Inn gelangte die Gruppe über den Durchgang auf den heutigen Marienplatz, den Marktplatz der Stadt. Hier erfuhren die Teilnehmenden, wie Privilegien die spätmittelalterliche Stadt als Handelsort beförderten und wie die städtisch verwalteten Einrichtungen der Lände, der Niederlagen und des Marktes ineinandergreifend funktionierten. Von dort ging es in die Pfarrkirche St. Jakob: Ausgehend von einem Grabdenkmal des 16. Jahrhunderts wurde die Geschichte der Handelsfamilie der Fröschl erzählt. Diese können zu den einflussreichsten Bürgergeschlechtern der Stadt gezählt werden. Seit 1430 waren sie im Rat vertreten und als Personenverband der kaufmännischen Oberschicht entlang der Handelswege mit Verbindungen zum regionalen Niederadel und zu höchsten landesfürstlichen Ämtern vernetzt. Den Abschluss bildete der Blick auf ein Lagerhaus in der Färbergasse, dass die Bedeutung der Warenlager für den Handel thematisierte, das aber schon seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts durch neue Anforderungen gänzlich zu einem Wohngebäude umgebaut wurde. Haupt vermittelte an allen Orten deren historische Bedeutung in ihrer historischen Funktion, versäumte aber gleichzeitig nicht darauf einzugehen, wie sich Veränderungen im Wirtschafts- und Geschäftsleben im Laufe der Jahrhunderte auf deren Erscheinungsbild auswirkten.
 
Den Tag beschloss Sonja Fehler mit einer Führung zur Baugeschichte des im Kern spätmittelalterlichen Museumsgebäudes in der Herrengasse. Die Teilnehmenden besichtigten ausgehend von den Arkadengängen Vorder- und Rückgebäude und machten einen Abstecher ins Gebäude Herrengasse 17. Einen Schwerpunkt legte Fehler dabei sowohl auf die bis heute unveränderten Strukturen des Patrizierhauses aus der Zeit der Gotik und dessen Beziehungen zur Stadtlandschaft wie auch auf die zahlreichen Umbauten und Umnutzungen, die veränderte Nutzungsanforderungen gerade durch den Kulturbetrieb des 20. Jahrhundert mit sich brachten.
 
Des Weiteren konnten Führungen sowohl in St. Michael Attel als auch in der Sammlung Wasserburg aus fünf Jahrhunderten im Hl.-Geist-Spital besucht werden. Das Museum Wasserburg öffnete bei freiem Eintritt. Hier konnte man einen Streifzug durch die Ausstellung unternehmen, die Museums-App ausprobieren oder sich mit Rallyes entweder auf Spurensuche im Museum oder in der Wasserburger Altstadt aufmachen.


www.museum.wasserburg.de

© Museum Wasserburg.
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