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Psychiatriemuseum

Die medizinhistorische Dauerausstellung im kbo-Inn-Salzach-Klinikum

Das psychiatrische Krankenhaus Wasserburg-Gabersee wurde 1883 als „Kreis-Irrenanstalt“ für Patientinnen und Patienten aus dem gesamten Bezirk Oberbayern gebaut. Die wechselvolle Geschichte der Einrichtung und der Psychiatrie allgemein werden seit 2003 in Haus 23 des heutigen Inn-Salzach-Klinikums anschaulich dargestellt. Ziel ist dabei auch, Vorurteile zu verringern.

Das Psychiatriemuseum ist in einem der ältesten Stationsgebäude der denkmalgeschützten Anlage eingerichtet. Das Haus wird so erhalten, wie es in den 1960ern war.

Zu Zeiten der Kreisirrenanstalt bot das Haus auf zwei Stationen Platz für knapp 70 Patientinnen und Patienten. Geplant waren ursprünglich pro Station 19 Betten, tatsächlich aufgestellt wurden aber, bis in die 80er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, mehr als 30.

Damals gab es für jeweils gut 20 Patienten der „Kreisirrenanstalt" nur eine Toilette und ein Bad, durch die Fenster zog es spürbar, und die alten Holzböden hatten nichts mit den heutigen Vorschriften zur Krankenhaushygiene zu tun. Schlimm auch der Schlafsaal: Mit seinen 20 Betten bot er keinerlei Intimsphäre. Nun dient er der Ausstellung. Besonders auffallend die weißen Quader, auf denen sie präsentiert werden. Das sind die früheren Standorte einzelner Betten. So eng, so dicht aneinander, fast dem Anderen ausgeliefert lebte man jahrelang zusammen.

Gezeigt werden Gegenstände aus allen Epochen der Gaberseer Geschichte, vor allem aus den 1960er und 1970er Jahren. Darunter finden sich Gerätschaften wie Lagerungshilfsmittel, Toiletten- und Krankenfahrstühle. Die Anstaltskleidung der Patienten ist zu sehen, ebenso die Dienstkleidung für das Personal, von der klassischen Schwesterntracht bis zur Uniform der Betriebsfeuerwehr. Und dann, mit unübersehbaren Gebrauchsspuren, eine der letzten Zwangsjacken. Ein Schwerpunkt ist die Sammlung historischer Medizininstrumente aus der Krankenpflegeschule und dem Sektionsbetrieb, der hier bis in die 1990er Jahre arbeitete.

Die Anstalt, 1883 mit 60 „Pfleglingen" begründet, weil die entsprechende Münchner Einrichtung überfüllt war, hatte später mehr als 1200 Betten, viele davon für Langzeitpatienten. Die Rede war vom „therapeutischen Nihilismus" und von einer „Verwahrpsychiatrie", die neben dem Verabreichen von Psychopharmaka und Schlafmitteln kaum Alternativen kannte, auch wenn es für Patienten etwa im Gutshof, in der Gärtnerei, der Küche und Wäscherei eine durchaus sinnvolle Arbeitstherapie gab. Medizinstudenten fuhren oft hierher, um etwas zu lernen. Erst mit der Psychiatrie-Reform kamen nach 1975 andere Verhältnisse; Zug um Zug entstand ein modernes Fachklinikum.

Wie in vielen anderen Psychiatriemuseen wird das düstere Kapitel der ,,Euthanasie" in den NS-Jahren nicht verschwiegen. Etwa zwei Drittel der Gaberseer Patientinnen und Patienten wurden zwangssterilisiert, 509 zu Todesopfern der T4-Aktion - NS-Leute ermordeten sie in der Reichsanstalt Hartheim bei Linz. Was damals geschah und was heute dazu zu sagen ist, das kann nach Meinung der damit betrauten Mitarbeiter/-innen nur während einer Führung und nicht allein durch das Lesen von Tafeln und Dokumenten vermittelt werden.

Geöffnet hat das Museum nach vorheriger Vereinbarung. Eine Führung durch die Ausstellung wird kostenfrei angeboten.

Psychiatriemuseum Wasserburg
Gabersee 7
83512 Wasserburg am Inn
Telefon: 08071 71283 oder 0151 14736892
E-Mail: wolfgang.schmid(@)kbo.de
www.inn-salzach-klinikum.de