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Objekt des Monats Mai 2019

Herz-Mariä-Darstellung im Glasschrein, 19. Jh., Holz, Glas, Metall, Wachs, Museum Wasserburg, Inv.-Nr.: 220
Herz-Mariä-Darstellung im Glasschrein, 19. Jh., Holz, Glas, Metall, Wachs, Museum Wasserburg, Inv.-Nr.: 220

Im Marienmonat Mai präsentiert das Museum Wasserburg eine Herz-Mariä-Darstellung im Glasschrein. Das Objekt erstrahlt nach seiner Restaurierung im neuen Glanz.
 
In einem mit Goldfolie geschmückten Kasten aus Holz und Glas befindet sich ein zierliches Wachsrelief der Mutter Gottes. Maria, in einem weißen Kleid und mit großem goldenen Heiligenschein, neigt sich leicht nach links. Ihr gütiger Blick ist nach innen gerichtet. In der linken Hand hält sie eine aufgeblühte Lilie, dem Symbol für Reinheit und Unbeflecktheit. Die rechte Hand liegt auf der Brust, direkt neben einem brennenden Herzen, das mit einem Kranz aus Rosen umwunden ist: das unbefleckte Herz Mariens. Das Herz der Mutter Gottes versinnbildlicht die einzigartige Reinheit, Heiligkeit und Vollkommenheit des innerlichen Lebens. Schon im Mittelalter entwickelte sich in Europa eine eigene Herz-Mariä-Verehrung, die aber erst zu Beginn des 20. Jh. ihren eigenen Festtag – den 22. August –  erhielt. Schon einige Jahre später, beim zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965), wurde aus dem Fest ein nichtgebotener Gedenktag (= Feier eines Heiligengedenktages, der nur nach freiem Ermessen begangen wird), der auf den Samstag nach dem Herz-Jesu-Fest verlegt wurde.

Die Marienfigur im Glasschrein zeigt die Frömmigkeit des 18. und 19. Jahrhunderts auf, die alle Lebensbereiche der Menschen durchdrang. Gelebte Religion war Lebensbewältigung. Sie bot Erklärungsmuster, gab eine Richtung vor, half Herausforderungen zu bestehen und die Schrecken der Welt zu verarbeiten. Der katholische-bayerische Volksglaube brachte daraufhin eine an Formen und Materialien reiche Volkskunst hervor. Gemäß den finanziellen Möglichkeiten umgab man sich mit Heiligenbildern, religiösen Andenken, segensspendenden Devotionalien und mit religiösen Symbolen verzierten Möbeln.

Bis vor kurzem befand sich dieses Beispiel für die Volksfrömmigkeit des 19./20. Jh. in einem sehr schlechten Zustand. Es war stark verschmutzt und die Goldfolie sowie das Wachsrelief drohten von ihrer Holzträgerplatte abzufallen und dabei zu zerbrechen. Außerdem waren mehrere Strahlen des Heiligenscheins schon ausgebrochen. Es bestand dringender Handlungsbedarf, damit das Museumsobjekt nicht verloren geht.

Eine ausgebildete Diplomrestauratorin mit dem Fachgebiet Wachsarbeiten nahm sich im Rahmen eines umfangreichen Restaurierungsprojekts am Museum Wasserburg der Maria im Glaskasten an: sie reinigte in mühevoller Kleinstarbeit mit einem trockenen Pinsel und befeuchteten Spezialschwämmen alle Oberflächen aus Wachs. Es folgte die Säuberung der Glasoberfläche in zwei Schritten um Schimmelpilzorganismen zu entfernen: zuerst eine Reinigung mit einem mit Siedegrenzbenzin befeuchteten Mikrofasertuch und nach dem Abdampfen des Lösungsmittels eine zweite Reinigung mit einem Ethanol-Wasser-Gemisch. Zum Schluss wurden die Goldfolien sowie das Wachsrelief mit einem speziellen Kleber wieder an der Holzträgerplatte befestigt.

Nun ist die Herz-Mariä-Darstellung wieder im alten Glanz in der Dauerausstellung zu bewundern. 

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