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Grob geschnitzt und doch besonders

Die Schülerheimkrippe von St. Achatz


Objekt des Monats Dezember 2021 des Städtischen Museums Wasserburg a. Inn


„Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkünde euch große Freude, die allem Volk wiederfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“ (Lk 2, 10–11)


Maria, Josef und das kleine Jesuskind befinden sich in einem Stall zu Bethlehem, Ochse und Esel neben sich. Die heiligen drei Könige, Kaspar, Melchior und Balthasar, haben einen langen Weg auf sich genommen, um ihren neugeborenen Herrn anzubeten und ihm ihre kostbaren Gaben zu überreichen.
Die Geburt Christi steht im Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte, die jährlich zu Heiligabend in vielen Krippen dargestellt wird. In der aktuellen Sonderausstellung des Museums Wasserburg „Zur Krippe her kommet“ sind viele einzigartige Krippen zu bewundern.


Eine Besondere ist die Schülerheimkrippe von St. Achatz, sie ist ein sehr großes und umfangreiches Exemplar, wenn auch eine Kleinigkeit abgeht. Ursprünglich bestand sie einmal aus über hundert Figuren und einigem Zubehör, leider haben davon nicht alle Figuren ihren Weg ins Museum Wasserburg gefunden.
Die St. Achatz-Krippe zeichnet sich aber dadurch aus, dass in ihr der gesamte Weihnachtsfestkreis gezeigt wird. So sind in ihrer jetzigen Aufstellung Maria und Josef auf der Herbergssuche zu sehen, rechts daneben der Chor der Engel, einer von ihnen überbringt die frohe Botschaft an die Hirten, welche im Vordergrund gezeigt werden. Besonders ins Auge fällt die in der Mitte der Krippe aufgebaute, seltene Darstellung des Herodes, der sich bei den Schriftgelehrten nach dem genauen Geburtsort des neugeborenen Königs der Juden erkundigt, während man im Hintergrund schon die heiligen drei Könige heranreiten sieht. Auf der rechten Seite der Krippe befinden sich weitere Figurengruppen, welche die Flucht nach Ägypten, die Hochzeit zu Kana und den zwölfjährigen Jesus im Tempel darstellen. Bei all den Szenen fällt zuerst kaum auf, welche abgeht. Bedauernswerterweise fehlen die Figuren, welche die wichtigste Szene, die Geburt Christi darstellen.

Die Figuren der Krippe sind aus Holz geschnitzt und gefasst. Wer sie angefertigt hat ist bis zum heutigen Zeitpunkt leider nicht bekannt. Sie sind in den Farben Braun, Rot, Grün und Blau bemalt. Als die Krippe an das Museum gegeben wurde, waren manche der Figuren noch gut erhalten, andere wurden von Bartholomäus Huber und dem Restaurator Armin Göttler bearbeitet. So wurden beispielsweise die beiden Ohren des Esels oder der Federbusch und die Hand eines Reiters ergänzt. Im Zuge der Sonderausstellung fügte Armin Göttler dieses Jahr noch die Hände mancher Figuren an.

Die Krippe gehörte einmal dem Leiter des ehemaligen Schülerheims St. Achatz, Dr. theol. Franz Thoma. Im Jahr 1933 verkaufte er sie unter der Vermittlung von Peter Unterauer an das Wasserburger Museum. Dieser schien jedoch manche der zentralen Figuren selbst behalten zu haben, da in den Jahren 2009 und 2019 von einem seiner Familienmitglieder weitere Figuren aufgefunden und an das Museum übergeben wurden. Das ermöglichte erstmals die Vervollständigung und ganzheitliche Ausstellung einiger Figurengruppen, so wie sie jetzt in der Sonderausstellung „Zur Krippe her kommet“ gezeigt werden.

Heute besitzt die St. Achatz-Krippe einen ganz anderen Stellenwert, da solche eher grob geschnitzten Figuren im Vergleich zu vielen besonders kunstvoll gearbeiteten Krippen in der Vergangenheit nicht die Wertschätzung bekamen, die sie verdient haben. So freuen wir uns besonders diese Krippe im Museum ausstellen und sie vielen Menschen nahebringen zu können.
 
Meret Bebos

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