Stadt Wasserburg am Inn

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Trautes Heim, Glück allein

Streift man durch die nun stille Möbelausstellung des Museums Wasserburg, sieht man den Frühling an allen Ecken und Enden. Es blüht und grünt. Vögel tummeln sich, Schäfer führen ihre Schafe auf die Weide und Schwalben bauen ihr Nest. Die Möbel des Bauernbarocks sind über und über bemalt mit Blumen, Vöglein und Herzen.
 
Sie zeigen gerne die vier Jahreszeiten, beginnend mit dem Frühling oder tragen religiöse Motive wie den Guten Hirten oder die Maibuschen, die in den Kirchen die Altäre zieren. So vereinen sie religiöse und weltliche Motive. Diese Möbel sind ein Bilderbuch oberbayerischer Kulturgeschichte und der Volksfrömmigkeit. Sie erzählen uns, was den Menschen vergangener Jahrhunderte wichtig war, was sie erfreute und was ihnen Hoffnung gab.
 
Der Schrank von 1831 zeigt das Motiv des guten Hirten und der guten Hirtin. Die Darstellungen bringen die hingebungsvolle Liebe und Fürsorge von Christus und Maria zum Ausdruck. Schon im Alten Testament taucht das Motiv des Hirten auf, der sich aufopferungsvoll um seine Tiere kümmert, sie liebt und schützt und jedem einzelnen nachgeht. Im Psalm 23, dem Hirtenpsalm heißt es: „Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts Mangel“. Das Hirtenmotiv bezieht sich an dieser Stelle auf Gott. Jesus sagt von sich selbst im Johannes Evangelium: „Ich bin der gute Hirte“ und führt aus: Der gute Hirte kennt die Schafe und ruft sie einzeln beim Namen. Die Schafe erkennen ihn an der Stimme
 
Das Bild des Hirten war auch den Menschen hierzulande geläufig und Teil der Lebensrealität. Die Schäferdichtung der Renaissance und des Barock idealisierte das Leben der Hirten und machte es zum Sujet der bildenden Kunst. Im 18. Jahrhundert wurde auch Maria als Gute Hirtin vereinzelt dargestellt. In der Oberbayerischen Volkskunst, für die die Marienverehrung von großer Bedeutung war, wurde dieses Motiv sehr beliebt.
 
Die Heiligen sind nicht nur Sinnbilder der Hoffnung. Ihr Abbild sollte auch Schutz bieten und Verehrung zum Ausdruck bringen.
 
Die Möbel wurden häufig als Brautausstattung für eine Hochzeit angefertigt und in der guten Stube des Bauernhauses aufgestellt. Man wollte es sich schönmachen und zeigen, was man hatte. Der Bauernbarock wie wir ihn kennen setzte zur Zeit des Klassizismus im ausgehenden 18. Jahrhundert ein. Er war eine Gegenbewegung zu den nun nüchterner werdenden Kirchen und öffentlichen Bauten. Die Menschen holten sich den Reichtum der Kirchen nach Hause.

 

Bauernschrank, geschnitzt, bemalt, 1831. Museum Wasserburg

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