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Heroische Schlachten und pfiffige Gänse

Belagerungsspiel, Anf. 19. Jh., Museum Wasserburg
Belagerungsspiel, Anf. 19. Jh., Museum Wasserburg

Objekt des Monats November 2019

Heroische Schlachten und pfiffige Gänse

Lange Zeit gab dieses Objekt den Museums-mitarbeitern Rätsel auf. Es handelt sich um ein kreuzförmiges, gepunktetes Spielbrett, in dessen Ecken militärische Szenerien widergegeben sind. Wie so oft bei alten Spielen hatte sich eine Spielanleitung nicht erhalten. In Vorbereitung der aktuellen Sonderausstellung „Was wird denn hier gespielt? Zur Geschichte der Gesellschaftsspiele“ gelang es einer ehemaligen Volontärin, eine Beziehung zum Spiel Solitär herzustellen. Auch diesem Spiel liegt ein kreuzförmiger Spielplan zugrunde. Beim Solitärspiel versucht ein einzelner Spieler alle Spielkegel so durch Überspringen aus dem Spielbrett zu schlagen, dass nur noch ein Kegel in der Mitte des Spielbretts übrigbleibt.

Doch was hat es mit den militärischen Szenerien auf sich?
Wir sehen in den oberen Ecken links und rechts eine Burg und ein Feldlager. Darunter befinden sich sowie die Insignien des Lager- und Soldatenleben: links Gewehre, rechts ein Pulverfasse, Würfel und Karten gegen die Langweile, ein Topf über dem Feuer gegen den Hunger, eine Schleifkanne gegen den Durst und natürlich eine Pfeife für die Gemütlichkeit. Eine Reinigung und Konservierung des Spielbretts durch das Atelier Göttler und Raffler in Wasserburg brachte die Szenen noch einmal mehr zum Leuchten.
Beim Belagerungsspiel werden heroische Kriegsgeschichten aufgegriffen, in denen sich einige wenige Verteidiger erfolgreich gegen eine Übermacht behaupten.
Der kreuzförmige Spielplan des Belagerungsspiels hat 33 Schnittpunkte. Neun Punkte bilden eine Festung, die von einem Spieler mit zwei Verteidigern besetzt werden. Die übrigen 24 Punkte übernimmt der Angreifer und er darf 24 Kegel darauf platzieren. Nun versucht der Angreifer die neun Punkte der Festung zu besetzen, der Verteidiger muss für einen Sieg mehr als 15 Angreifer durch Überspringen schlagen. Damit beide Seiten ausgeglichene Gewinnchancen haben, darf der Angreifer nur vorwärts ziehen, während der Verteidiger sich in alle Richtungen bewegen und schlagen darf.
Bei weiteren bekannten Varianten wird die Übermacht umgedreht: eine große Anzahl an Hühnern oder Schafen, hier die Verteidiger, versucht sich gegen wenige angreifende Füchse oder Wölfe zu erwehren.
Dieses klassische Belagerungsspiel erlebte seine Hochphase im 19. Jahrhundert als Variante des Damespiels und es entwickelten sich zahlreiche Versionen und Spielpläne. Auch das Solitärspiel ist eine Weiterentwicklung des Belagerungsspiels für einen Spieler. Die Ursprünge des Spiels liegen aber wohl im Island des 10. Jahrhunderts. Dort hat das „hala tafl“, das Fuchspiel, einen vergleichbaren Grundgedanken und dasselbe Spielfeld. Hier geht es darum, dass ein Fuchs durch Überspringen eine Vielzahl von Gänsen schlägt, oder das die Gänse den Fuchs so einkreisen, das er nicht mehr ziehen kann.

Ein solches Spiel liegt auch in der aktuellen Sonderausstellung bereit, die noch bis zum 6. Januar zu sehen ist.

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