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Großzügige Schenkung entgegengenommen

"Galaxis", 1979, Bergakazie, Aufstellungsort: Bibliothek Wasserburg
"Galaxis", 1979, Bergakazie, Aufstellungsort: Bibliothek Wasserburg

Am Mittwoch, den 27.11. übergaben die Familie Schrader und Berthold Kogut in feierlichem Rahmen 16 Skulpturen aus der Hand ihrer Großmutter Louise Stomps der Stadt Wasserburg. Die Skulpturen sind seit einigen Jahren in der Bibliothek Wasserburg aufgestellt. Nun gehören sie ganz offiziell der Stadt.

Die Leiterin der Bibliothek, Elke Fleischer betonte, wie sehr besonders die jungen Besucher die Arbeiten schätzten. „Gerade die jüngeren Kinder stellen viele Fragen zu den Kunstwerken, setzten sich mit ihren Inhalten auseinander und gehen auch sehr achtsam mit der Kunst um. Sie sind ganz begeistert, wenn sie hören, dass eine Frau diese Werke geschaffen hat,“ so Fleischer. Berthold Kogut freute sich genauso wie Kulturreferentin Edith Stürmlinger, dass die Objekte an einem so belebten und architektonisch gelungenen Ort der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Bürgermeister Michael Kölbl würdigte den künstlerischen Werdegang der Bildhauerin und erinnerte auch an die eindrückliche Persönlichkeit der Künstlerin, die noch bis ins hohe Alter mit ihrem schweren Motorrad  unterwegs war. Ute Lechner, Bildhauerin und heutige Bewohnerin der Kumpfmühle bei Rechtmehring, erzählte ebenfalls von gemeinsamen Erlebnissen, die das Bild einer selbstbewussten Frau zeichneten, die ganz unbeirrt ihren Lebensweg beschritt und ihre Position vertrat.

 

Louise Stomps gehört zu den bedeutenden Bildhauerinnen der klassischen Moderne in Deutschland. Ihre Arbeiten wurden früh von renommierten Galerien gefördert und finden sich heute in großen Museen. In den letzten Jahren wurde ihr Werk wieder in zahlreichen Ausstellungen aufgegriffen. Die aus Berlin stammende Künstlerin ist durch ihre eindrucksvolle Persönlichkeit noch vielen Wasserburgern in Erinnerung. Seit 1960 lebte und arbeitete sie in einer alten Mühle bei Rechtmehring. Bürgermeister Michael Kölbl ist froh und dankbar, die Schenkung von 16 Skulpturen der Künstlerin aus dem Kreise ihrer Familie entgegennehmen zu können.

Louise Sophie Stomps (* 5. Oktober 1900 in Berlin; † 22. April 1988 bei Wasserburg a. Inn) war Bildhauerin und Grafikerin. Nach anfänglicher Orientierung an der Kunst der klassischen Moderne lösten sich ihre Arbeiten langsam und kontinuierlich von den figurativen Ursprüngen. Selbst die Mehrzahl der späteren abstrakten Arbeiten lassen diesen figürlichen Ursprung, in dem der menschliche Körper im Mittelpunkt stand, deutlich durchscheinen.
 
Werdegang
Louise Stomps modellierte und zeichnete bereits seit ihrer Jugend. Der Beginn ihrer eigentlichen künstlerischen Laufbahn fiel jedoch auf das Jahr 1928 mit dem Besuch der Abendklasse von Professor Johannes Roettger an der Preußischen Akademie der Künste zu Berlin (heute: Universität der Künste Berlin). Zur gleichen Zeit besuchte sie auch die Bildhauerklasse des Vereins der Berliner Künstlerinnen unter Milly Steger. Dennoch ist Louise Stomps eine Künstlerin, die sich überwiegend autodidaktisch ausgebildet hat.
Die Zeit des Nationalsozialismus verbrachte sie in der inneren Migration und arbeitete unter schwierigsten Bedingungen in ihrem Atelier weiter. In Folge eines Bombenangriffs 1943 wurde fast ihr gesamtes Werk zerstört. Nach dem Krieg nahm sie wieder an Ausstellungen teil und gehörte 1950 zu den Mitbegründerinnen des Berufsverbandes Bildender Künstler Berlin mit der Mitgliedsnummer 3. Ein Jahr später erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Berlin.
Nachdem Berlin durch die deutsche Teilung und seine Insellage zunehmend isoliert und von der Entwicklung der zeitgenössischen Kunst abgeschnitten war, übersiedelte sie 1960 ins ländliche Oberbayern, in die Kumpfmühle bei Rechtmehring in der Nähe von München, die sie zum Wohnsitz und Atelier umbaute. Hier widmete sie sich zunehmend dem Material Holz und entwickelte immer stärker abstrahierte Arbeiten.

Werk
Zu Beginn ihrer Tätigkeit 1927/1928 entstanden erste Skulpturen in Holz und Gips, ab 1933 auch zahlreichere Arbeiten in Stein. In diesen Jahren schuf sie auch die ersten Porträtplastiken.
Von 1933 bis Anfang der 1950er Jahre entstanden zahlreiche Arbeiten in Gips, von denen allerdings zu dieser Zeit – insbesondere aus wirtschaftlichen Gründen – nur wenige Bronzeabgüsse gefertigt wurden.
 
Nach ihrem Umzug nach Bayern wandte sich Louise Stomps zunehmend dem Material Holz zu. In der Arbeit mit Holz erschlossen sich ihr ganz eigene Möglichkeiten, der Natur zu folgen, indem sie Wuchs und Maserung nicht als Einschränkung, sondern als Anregung aufnahm.
Ihre Werke sind in Wasserburg am Skulpturenweg am Inndamm, in der Bibliothek und auf dem Platz vor der Hauptgeschäftsstelle der Sparkasse präsent.
 
Leben
Nach der Heirat 1920 und den Geburten der Töchter Inge (1921-2003) und Annemarie (1922-2013) folgte die Scheidung der Ehe 1927. Ihre erste Schaffensphase verbrachte sie in ihrer Heimatstadt Berlin. Der Umzug nach Bayern 1960 ermöglichte ihr ausgedehnte Fahrten mit ihrem geliebten Motorrad, gelegentlich bis nach Italien, das sie für sein reiches kulturelles Erbe schätzte. Am 22. April 1988 verunglückte sie mit ihrem schweren Motorrad, das sie bis ins hohe Alter fuhr, tödlich. Sie wurde auf dem Friedhof Zehlendorf in Berlin neben ihrem Bruder, dem Verleger und Schriftsteller Victor Otto Stomps (Gründer des Verlags die Rabenpresse) und ihren Eltern beigesetzt.
 
Bedeutung
Louise Stomps gehört zu den Bildhauerinnen des 20. Jahrhunderts, die heute kunsthistorisch wiederentdeckt werden. Ihre Bedeutung ist nicht zu unterschätzen, da sie bereits in der Frühzeit ihres Schaffens von bedeutenden Galerien, die zu den Wegbereitern des deutschen Expressionismus gehören, gefördert wurde, so die Galerien Gerd Rosen (Berlin), Nierendorf (Berlin) oder Hanna Bekker vom Rath (Frankfurt). Heute befinden sich Ihre Werke unter anderem in öffentlichen Sammlungen wie der Nationalgalerie Berlin, der Berlinischen Galerie und in der Bayerischen Staatsgemäldesammlung - Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne München. In den letzten Jahren wurde ihr Werk erneut deutschlandweit in zahlreichen Ausstellungen aufgegriffen, die ihre Bedeutung für die Kunst der Klassischen Moderne und die weibliche Position in der Bildhauerei belegen.

 

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