Im Kulturportal bavarikon haben wir in einem mehrjährigen Projekt das Alte Archiv der Stadt Wasserburg vollständig online zugänglich gemacht.
Nun wurde auch die Gliederung des Bestands übertragen, welche in diesem Portal in "Teilsammlungen" dargestellt wird. Diese werden jeweils in kurzen Bestandsbeschreibungen erläutert.
Die Nutzenden erhalten damit eine inhaltliche Einführung in die Teilbestände, zu denen systematisch navigiert werden kann.
In unserer Reihe "Archivalie des Monats" stellen wir die verschiedenen "Sammlungen" vor...
Wohltätigkeit
Die Archive des Heilig-Geist-Spitals, des Leprosenhauses St. Achatz, des Bruderhauses, der Reichalmosen-Stiftung, der Gumpelzhaimer-Stiftung und der Fröschl-Stiftung spiegeln mit 2.145 zugeordneten Archivalien eine umfangreiche Überlieferung städtisch verwalteter Stiftungen seit dem 14. Jahrhundert wider.
Deren Administratoren, die in der Regel auch Ratsmitglieder waren, werden chronologisch-systematisch über die Zeiträume der umfangreichen Rechnungsüberlieferungen transparent. Die wenig zerrissenen Serien dieser Einrichtungen lassen diese einerseits als institutionelle Archivkörper sichtbar werden. Andererseits ist für die Nutzung und Auswertung der Bestände dieser Sammlungen auch auf die Hoheit der Stadt zu verweisen. So sind viele rechtliche Entscheidungen, welche die Stiftungen betreffen, beispielsweise über die städtischen Ratsprotokolle nachvollziehbar. Deren Überlieferung jedoch steht außerhalb dieser Bestände (siehe hierzu Trefferliste Ratssitzungen (Protokolle)). Die in der Gruppe "Wohltätigkeit" zusammengeführten Archivalien erlauben tiefe Einblicke in die Entstehung und permanente Weiterentwicklung der wohltätigen Stiftungen der Stadt, die mit vielgestaltigen Aufgaben halfen, soziale Nöte zu lindern.
2. Leprosenhaus St. Achatz
Das Leprosenhaus St. Achatz war ein Spezialspital für Wasserburger Bürger, die an ansteckenden Krankheiten litten. Sie kamen dort – außerhalb der Stadt, "vor der Brücke" – auf Lebenszeit unter, erhielten eine kostenlose Unterkunft, geistliche Betreuung, Unterstützung mit Lebensmitteln und gelegentlich auch Geld. Das Haus war offenbar von Beginn an mit der Kirche St. Achatz verknüpft, die erstmals 1403 bezeugt ist (StadtA WS, I2a548). Die älteste im Bestand erhaltene Stiftungsrechnung stammt aus dem Jahr 1483 (StadtA WS, I2c196), einige Bände dieser Serie weisen zudem die ältesten für die Bindungen sekundär verwendeten Handschriftenfragmente im Wasserburger Archivbestand auf, die sich freilich über den gesamten Amtsbuchbestand der Stadt verteilen (z.B. StadtA WS, I2c469).
Die Stiftungsfinanzen wurden wie im Heilig-Geist-Spital durch zwei Verwalter aus dem Rat geführt. Gründerin und hauptsächliche Vermögensgeberin der Stiftung war offenbar die Stadt Wasserburg selbst. Jedenfalls behauptete der Rat dies im Jahr 1633. Spätestens im 16. Jahrhundert verpfründete das Siechhaus. Für die Aufnahme musste also bezahlt werden. Dennoch waren offenbar zu diesem Zeitpunkt alle oder doch viele Bewohner Kranke, die jedoch in der Stiftung keine Vollversorgung beanspruchen konnten. Nachdem sie aufgrund ihrer Erkrankung in der Regel auch keiner Arbeit nachgingen, waren sie zusätzlich auf das Betteln an der Innbrücke angewiesen.
Die Teilsammlungen/Trefferlisten dieses Bestandes sind
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