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Einblicke ins Bildarchiv Nr. 3, 2020

Zum Straßennamen Ponschabaustraße
Fotos unseres Bildarchivs werden für das ’Historische Lexikon Wasserburg’ gebraucht...

Blick auf das noch weitgehend unbebaute Burgerfeld und in die Ponschabau, um 1917. Ausschnitt aus Postkarte Wasserburg a. Inn, Panorama-Gesamtansicht von Osten, um 1917, StadtA Wasserburg a. Inn, PkS-Ia5b. Foto/Verlag: August Zerle.
Blick auf das noch weitgehend unbebaute Burgerfeld und in die Ponschabau, um 1917. Ausschnitt aus Postkarte Wasserburg a. Inn, Panorama-Gesamtansicht von Osten, um 1917, StadtA Wasserburg a. Inn, PkS-Ia5b. Foto/Verlag: August Zerle.

Im Historischen Lexikon Wasserburg wird die Serie der Wasserburger Straßennamen (Buchveröffentlichung des Stadtarchivs von 2008) jetzt auch für die übrigen Stadtgebiete fortgeführt.

Bei dem Straßennamen Ponschabaustraße handelt es sich um eine traditionsbewahrende, an den ursprünglichen Flur- und Ortsnamen Ponschabau erinnernde Richtungsanzeige - der Weg/die Straße, welche/r in die Ponschabau führt. Der Flurname bezeichnete diejenige Au, welche im 19. Jahrhundert der Brauerfamilie Andreas Ponschab gehörte. Hiermit waren dem Inn nahe Grundstücke im Umfeld des heutigen Innwerk-, Staustufen- und Stauseebereichs mit Innwerksiedlung und Berufsschule bis hin zur Einöde Urfahrn gemeint. Die Ponschabau ist Teil des Burgerfeldes, dessen viel älterer Name erstmals 1405 mit Verleihung des Burgerfeldes und des Dobels an die Stadt erwähnt ist.[1] Der Flurname ist auch alleinstehend als Au ohne den besitzanzeigenden Familiennamen Ponschab im Urmesstischblatt 1854/1855 nachzuweisen.[2]

Die planmäßige Erschließung des unteren Burgerfeldes mit Innwerk und Innwerksiedlung erfolgte von der Rosenheimer Straße aus westlich über den Klosterweg und die Ponschabaustraße sowie kleinere Verbindungsstraßen in den Jahren 1918 bis 1939. Für die amtliche Straßennamenfestsetzung gibt es keinen urkundlichen Beleg. Im Zuge der Siedlungserschließung sah der Stadtrat offensichtlich nur Bedarf, die hier neu herzustellenden Verbindungsstraßen zu benennen und respektierte somit stillschweigend die bereits geprägte und überlieferte Bezeichnung der Ponschabau.[3]

Schon vor dem Siedlungsbau existierte auch der unbefestigte Weg, der von der Rosenheimer Straße aus in die Ponschabau führte. Der Wegname Ponschabauerweg ist 1917 nachgewiesen.[4] Als Ponschabaustraße 1927 auch amtlich bezeichnet im Zuge der Hausnummernfestsetzung vom 27. März 1927 mit vier zu diesem Zeitpunkt bestehenden Gebäuden.[5]

Der Name geht auf die ursprünglichen Eigentumsverhältnisse zurück. Die Brauerfamilie Ponschab hatte hier im 19. Jahrhundert die Flur im Besitz, welche unterschiedlich landwirtschaftlich genutzt wurde. Spätere Eigentümer des Geländes (vor dem Innwerkbau 1938) waren u.a. die Brauerfamilie Meyer (Meyer-Bräu), womit sich aber ein umgangssprachlich geänderter Namengebrauch, etwa in Meyer-Au, nicht einstellte.
Die dem Familiennamen Ponschab angefügte Bezeichnung Au verweist auf das nahe am Inn gelegene Gebiet als ursprünglich wasserreiches, flussnahes Land. Mitte des 19. Jahrhunderts (1855) beantragte Andreas Ponschab Arbeiten zur Trockenlegung dieser Ponschabau, durch Abtrennung von Altwässern.[6] Die Brauerei Ponschab wurde in der Altstadt, der Salzsenderzeile 12 (später Bruck-Bräu/[Meyer-Bräu])[7], bis 1872 betrieben. Erstmals erwähnt ist sie 1835.[8] Das beim Ponschabbräu hergestellte und ausgeschenkte Bier gehörte wohl zu den besseren der Stadt: Nach einer am 28. und 29. April 1853 vorgenommenen Kontrolle des Sommerlagerbieres der 15 Wasserburger Brauereien wurde festgestellt, dass die 4.360 Eimer vom Ponschab, Andreas, zitronengelb - gut seien.[9]
In einem Zeitungsartikel zu den Ergebnissen der Volkszählung und zur Verteilung der Haushaltungen und Religionsverhältnisse aus dem Jahr 1905 wird die Ponschab-Au als eigener Stadtteil Wasserburgs aufgeführt. Demnach gab es hier zu diesem Zeitpunkt einen einzigen Haushalt mit sechs Bewohnern.[10] Heute sind die ehemals freien landwirtschaftlichen, u.a. auch zum Hopfenanbau genutzten Flächen nördlich und südlich der Ponschabaustraße dicht bebaut. Von der Siedlungslage nördlich der Ponschabaustraße leitet sich die umgangssprachliche Bezeichnung des unteren Burgerfeldes ab, südlich der Ponschabaustraße heißt es oberes Burgerfeld.

Quelle: Matthias Haupt, Ponschabaustraße, publiziert am 10.06.2020 [=Tag der letzten Änderung(en) an dieser Seite]; in: Historisches Lexikon Wasserburg, URL: https://www.historisches-lexikon-wasserburg.de/Ponschabaustra%C3%9Fe (12.06.2020)
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