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Wasserburg beginnt ein eigenes Repair Café

Foto: repaircafe.org
Foto: repaircafe.org

Was macht man mit einem Toaster, der nicht mehr funktioniert? Oder mit einem Fahrrad, bei dem das Rad schleift? Oder mit einem Pullover mit Mottenlöchern? Wegwerfen? Denkste! Das Mehrgenerationenhaus und die AWO Wasserburg organisieren am Samstag 20.10.2018 das erste Repair Café in Wasserburg am Inn.

Im Mehrgenerationenhaus am Willi-Ernst-Ring 27 dreht sich am Samstag, 20. Oktober, alles ums Reparieren. Zwischen 14 und 18 Uhr stehen verschiedene ehrenamtliche Reparateure zur Verfügung, um kostenlos bei allen möglichen Reparaturen zu helfen. Zudem sind verschiedene Werkzeuge und Materialien vorhanden. Besucher des Repair Cafés bringen ihre kaputten oder funktionsuntüchtigen Gegenstände von Zuhause mit. Toaster, Lampen, Föhne, Kleidung, Fahrräder, Spielzeug, Geschirr... alles, was nicht mehr funktioniert, kaputt oder beschädigt ist, kann mitgebracht werden. Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass die Reparatur gelingt! Die Fachleute im Repair Café wissen sich fast immer eine Lösung.

Indem sie Werbung fürs Reparieren machen, möchten die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg und das Mehrgenerationenhaus zur Reduzierung des Müllbergs beitragen. Das ist sehr notwendig, findet Anne von Löwenfeld (AWO). „In Deutschland werfen wir unfassbar viel weg. Auch Gegenstände, denen fast nichts fehlt und die nach einer einfachen Reparatur wieder ordentlich zu gebrauchen wären. Leider steckt das Reparieren vielen Menschen nicht mehr im System. Mit dem Repair Café wollen wir das ändern.“

Das Repair Café ist auch dazu gedacht, Menschen in der Nachbarschaft auf neue Art und Weise wieder mit einander in Kontakt zu bringen. Sodass sie entdecken, wie viel Wissen und praktische Fähigkeiten eigentlich vorhanden sind. Maria Hessdörfer (Mehrgenerationenhaus): „Wenn man gemeinsam mit einem bis dahin unbekannten Nachbarn ein Fahrrad, einen CD-Spieler oder eine Hose repariert hat, sieht man diese Person doch mit anderen Augen, wenn man ihr das nächste Mal auf der Straße begegnet. Zusammen etwas reparieren, kann zu ganz tollen Kontakten in der Nachbarschaft führen. Aber wir wollen mit dem Repair Café vor allem zeigen, dass Reparieren Spaß macht und oft ganz einfach ist.“

Das Konzept Repair Café ist 2009 in Amsterdam entstanden. Es ist eine Initiative von Martine Postma, damals Journalistin und Publizistin. Sie gründete 2010 die Stiftung "Stichting Repair Café" (siehe Repaircafe.org). Diese Stiftung unterstützt örtliche Gruppen weltweit, die ihr eigenes Repair Café beginnen wollen. Sie unterstützt ebenfalls das Repair Café in Wasserburg am Inn.

Das Mehrgenerationenhaus und die Arbeiterwohlfahrt Wasserburg wollen nach dem 20. Oktober regelmäßig einmal im Monat das Repair Café organisieren.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an Maria Hessdörfer, Mehrgenerationenhaus Wasserburg am Inn, Telefonnummer: 0170 37111771. Besuchen Sie auch unsere Webseite www.mehrgenerationenhaus-wasserburg.de

Was ist ein Repair Café?

Das Repair Café ist eine Veranstaltung, die sich ums Reparieren dreht. Am Veranstaltungsort des Repair Cafés ist Werkzeug und Material vorhanden, um alle möglichen Reparaturen auszuführen. An Kleidung, Möbeln, elektrischen Apparaten, Fahrrädern, Geschirr, Gebrauchsgegenständen, Spielzeug usw. Auch sind kundige ehrenamtliche Helfer anwesend, die Reparaturkenntnis und -fertigkeiten auf verschiedenen Gebieten mitbringen. Besucher nehmen von zu Hause kaputte Gegenstände mit. Im Repair Café nehmen sie, mit Hilfe der Experten, selbst die Reparatur in Angriff. Wer nichts zu reparieren hat, trinkt etwas an der Theke oder hilft jemand anderem bei der Reparatur. Oder lässt sich am Lesetisch inspirieren, wo Bücher zu den Themen Reparieren und Selbermachen zur Einsicht liegen.

Wozu ein Repair Café?

Wir werfen in unserem Alltag Unmengen weg. Auch Gegenstände, an denen nicht viel kaputt ist und die nach einer einfachen Reparatur problemlos wiederverwendet werden könnten. Leider ist das Reparieren bei den meisten Menschen aus der Mode gekommen. Sie wissen einfach nicht mehr, wie man Dinge repariert. Das Wissen, wie man Dinge repariert, verschwindet schnell. Wer dieses Wissen noch hat, wird von der Gesellschaft häufig nicht besonders hoch geschätzt und steht ungewollt am Rande. Das Wissen und Können dieser Menschen wird nicht oder nur sehr selten genutzt. Repair Café ändert das! Menschen, die am Rand der Gesellschaft stehen, zählen wieder.

Es findet ein wertvoller praktischer Wissensaustausch statt. Gegenstände sind auf diese Weise länger brauchbar und werden nicht weggeworfen. Die Grundstoff-und Energiemenge, die für die Herstellung neuer Produkte erforderlich ist, wird somit gespart. Das gilt auch für die CO2-Emissionen. Denn bei der Herstellung neuer Produkte und beim Recycling von Gebrauchtgegenständen wird CO2 freigesetzt.

Im Repair Café lernen Menschen, Gegenstände auf andere Weise wahrzunehmen. Und sie ganz neu wertzuschätzen: Das Repair Café trägt zu einer Mentalitätsveränderung bei. Das ist dringend nötig, wenn Menschen für eine nachhaltige Gesellschaft eintreten sollen. Im Mittelpunkt steht jedoch, dass Repair Café zeigen möchte, dass Reparieren auch viel Spaß macht und relativ einfach ist. Komm vorbei und versuche es selbst!

Welche Ziele verfolgt Repair Café?

Repair Café hat sich zum Ziel gesetzt

a) Reparieren auf moderne Weise auf lokaler Ebene wieder in die Gesellschaft zu tragen;
b) Reparaturwissen zu erhalten und zu verbreiten;
c) den sozialen Zusammenhalt der Gemeinschaft vor Ort zu fördern, indem Nachbarn mit verschiedenen sozialen Hintergründen und Interessen im Rahmen einer inspirierenden und einladenden Veranstaltung miteinander in Kontakt gebracht werden.

Die Reparaturen im Repair Café sind gratis. Ist das kein unfairer Wettbewerb professionellen Reparaturanbietern wie einem Nähatelier oder einem Fahrradmechaniker gegenüber?

Die Leute, die Repair Cafés besuchen, sind in dem Moment nicht Kunde bei einem professionellen Reparateur. Es sind Menschen, die ihre kaputte Nachttischlampe, ihren Stabmixer, Stuhl oder ihre Jacke jetzt wegwerfen, weil die Reparatur teurer wäre als ein neues Produkt. Dadurch, dass diesen Menschen im Repair Café im Tausch gegen einen freiwilligen Beitrag geholfen wird, vermeiden wir, dass sie etwas Neues kaufen müssen. Dadurch entsteht keine Konkurrenz zu professionellen Reparaturanbietern, sondern eher zu Fabrikanten, die möchten, dass man seine alten Dinge wegwirft und neue kauft. Außerdem lernen Besucher im Repair Café, dass Gegenstände viel häufiger und einfacher repariert werden können, als man vielleicht denkt. Dadurch wächst eher die Wahrscheinlichkeit, dass sie künftig doch auch einmal die Dienste eines professionellen Reparateurs in Anspruch nehmen, als dass sie abnimmt. Schließlich sei gesagt, dass man früher zu Hause alles Mögliche selbst reparierte und es zugleich verschiedenste professionelle Reparateurs gab. Die Vorstellung, dass selbst zu reparieren eine Konkurrenz zu professionellen Reparateuren darstellt, stützt sich also nicht auf Erfahrungen aus der Vergangenheit. Die Ursache dafür, dass es professionelle Reparaturanbieter schwer haben und sie immer weniger werden, liegt an anderer Stelle in unserem Wirtschaftssystem. Zum Beispiel in dem Umstand, dass die Steuer auf Rohstoffe sehr niedrig gehalten ist und diejenige auf Arbeit dagegen hoch. Gerade das müsste sich ändern!