Stadt Wasserburg am Inn

Seitenbereiche

Seiteninhalt

Das Stadtarchiv sucht...

Helfen Sie uns dabei, unsere Sammlungsbestände, Deposita, die zeitgeschichtliche Dokumentation, Nachlässe, Vereins,- Verbands- und sontige Privatarchive zu vervollständigen...

Mit der hauptamtlichen Besetzung des Stadtarchivs wird ein zeitgeschichtlicher Sammlungsbestand (Der Bestand VI des Stadtarchivs) aufgebaut. Dabei sind wir auf die Mithilfe von Privatpersonen, Vereinen, Verbänden und sonstigen nichtstädtischen Organisationen angewiesen, die uns Unterlagen zur Verfügung stellen und übereignen. Haben Sie Materialien für uns, die für die Stadtgeschichte interessant sein könnten, dann setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Nur durch Ihre Mithilfe können wir uns der Aufgabe stellen, wertvolles privates Archivgut, welches das gesellschaftliche Leben einer Stadt auch in individuellen Biografien lebendig werden lässt, der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Briefe aus dem Nachlass der Wasserburger Künstlerin Heia Stöcke. Der schriftliche und künstlerische Nachlass wurde im Jahr 2009 an das städtische Museum abgegeben und übereignet. Dort werden fortan die Kunstwerke verwahrt; der schriftliche Nachlass wurde im Stadtarchiv erschlossen.

Lesen Sie im Folgenden über die Aufgabe des Archivierens privater Bestände im Stadtarchiv Wasserburg am Inn - Heute noch wichtig, morgen Geschichte

(Text von Heike Duczek, leicht ergänzt durch das Stadtarchiv, Wasserburger Zeitung vom 13.04.2006, S. 15.)

«Private Nachlässe sind das Gewissen unseres Landes», ist der frühere Ordinarius für Bayerische Landesgeschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität München, Walter Ziegler, überzeugt. Diese Meinung teilt auch Stadtarchivar Matthias Haupt:«Private Nachlässe sind authentische Abbilder der Gesellschaft», weiß er aus Erfahrung. Und immer mehr davon landen im Stadtarchiv. Die ältesten Urkunden des Stadtgerichtes stammen aus dem 14., die ältesten Amtsbücher des Stadtrates aus dem 16. Jahrhundert. Doch Matthias Haupt, Leiter des Wasserburger Stadtarchivs, kommt nicht nur beim Anblick von vergilbtem, sieben Jahrhunderte altem Verwaltungsschriftgut, das sorgfältig in klimatisierten Magazinräumen aufbewahrt wird, ins Schwärmen.

Sein Archivherz schlägt auch dann höher, wenn ihm Privatleute, Vereine, Organisationen und Institutionen des öffentlichen Lebens sowie Firmen und Betriebe ihre Nachlässe oder alten Registraturen anvertrauen. Was zur Freude des Stadtarchivars immer häufiger geschieht: In das Eigentum der Wasserburger Gedächtnisinstitution sind beispielsweise der Nachlass des Dichters Peter Scher mit bisher unveröffentlichten Manuskripten und Briefen (u.a. von Ringelnatz und Valentin, Briefe und Zeichnungen von Gulbransson und Hans Carossa), die Sammlung des Fotografen Rudolf Ultsch mit seltenen Stadtansichten und das Vereinsarchiv der Arbeiterwohlfahrt übergegangen.

Private Nachlässe dieser Art lassen die zeitgenössische Geschichte auch in den Biographien von Menschen lebendig werden.

So zeigen beispielsweise die Fotos im Familienalbum von Schriftsteller Peter Scher, Weggefährte von Ludwig Thoma und Joachim Ringelnatz, nicht nur die Entwicklung Schers vom charismatischen Satiriker zum nachdenklichen Dichter, sondern auch die Mode der Menschen jener Zeit.

Private Nachlässe können nach Haupts Angaben auch Lücken schließen, welche die amtlichen Akten hinterlassen haben. Bestes Beispiel: der Nachlass von Kurt Knappe, Kreisgeschäftsführer der NSDAP in Wasserburg. Vor allem die Unterlagen aus seinem Spruchkammerverfahren vermitteln ein detailliertes Bild der Nachkriegszeit - und richten den Blick auch zurück, in eine Zeit, in der viele amtliche NSDAP-Unterlagen verschwanden, die privaten Bestände zumindest teilweise die so entstandenen Lücken wieder beheben.

Natürlich stellt eine so umfangreiche Sammlung wie jene der Arbeiterwohlfahrt die Mitarbeiter des Stadtarchivs vor große Herausforderungen. Schließlich stellt bereits die Kernaufgabe des Archivs, die Erfassung, Ordnung, Systematisierung und Erschließung des amtlichen Verwaltungsschriftgutes der Stadt im alten Archiv ab dem Jahr 1301, in den alten Registraturen vom 19. Jahrhundert bis 1949 und der neuen Registratur mit den administrativen Unterlagen der Stadtverwaltung und des Stadtrates ab 1950 viel Arbeit dar. Hinzu kommen die Pflege des umfangreichen Bildarchivs mit Fotos ab dem Jahr 1870 und die eigene Sammlung mit täglichen Ausgaben der Wasserburger Zeitung.

Außerdem ist das Wasserburger «Haus der Geschichte» als eines der bedeutendsten Archive in Altbayern mit überregional bedeutsamem Schriftgut oft auch in die überregionale bayerische Geschichtsschreibung eingebunden; deutlich wird dies durch ein hohes Benutzeraufkommen und die eigene Mitarbeit des Archivs an Publikationen. Trotzdem ist das Stadtarchiv stets bemüht, seine umfangreichen Bestände um private zeitgeschichtliche Unterlagen zu ergänzen. Nachlässe sind besonders begehrt, weil sie das für die Stadt verwaltete amtliche Schriftgut mit individuellen Details aus dem gesellschaftlichen Leben bereichern.

Während es Vereine oft wenig Überwindung kostet, ihr Archiv zu überlassen, scheuen Privatleute aus Sorge um die Persönlichkeitsrechte noch manchmal davor zurück. Doch wer ein Nachlass dem Archiv übergibt, kann individuelle Schutzfristen vereinbaren, die festlegen, ob und wann sowie in welcher Form das Schriftgut öffentlich eingesehen oder genutzt werden darf. Musterverträge, die um individuelle Regelungen erweiterte werden können, garantieren: «Missbrauch ausgeschlossen», verspricht Haupt.

Geschützt aufbewahren, erfassen, ordnen, mit Signaturen versehen und digitalisieren sowie nach vorher festgelegten Vorgaben erschließen: Dies wünscht sich Haupt nicht nur für Nachlässe von Privatpersonen, sondern auch für historische Materialien von Vereinen, Verbänden und Organisationen des öffentlichen Lebens sowie für Unternehmen aus dem Wirtschaftsleben. Auf Interesse stoßen dabei nicht nur Protokolle von Vorstandssitzungen, Jahresberichte von anno dazumal, sondern auch die so genannte «graue Literatur»: Plakate, Broschüren, Veröffentlichungen zu Jubiläen und besonderen Anlässen. Publikationen, die widerspiegeln, was die Menschen früherer Zeiten bewegt und beschäftigt hat. Nur durch die Unterbringung in einer öffentlich-rechtlichen Institution, wie dem Stadtarchiv, bleiben diese wertvollen Bestände der Öffentlichkeit in ihrem Zusammenhang zugänglich.

Vergangenheit endet bei diesem Prozess des Archivierens in der Gegenwart: Was heute wichtig ist, ist morgen schon Geschichte.