Stadt Wasserburg am Inn

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Baugeschichte im Archiv erforschen

Flyer Baugeschichtsforschung im Stadtarchiv

Wasserburg am Inn hat einen Stadtkern mit reicher historischer Bausubstanz. Ob Baugeschichte im Allgemeinen oder die Entwicklung eines Hauses im Besonderen: Für Historiker, Denkmalschützer, Heimatkundler oder Besitzer eines Gebäudes kann die historische Bauforschung gleichermaßen interessant sein. Das Stadtarchiv verwahrt umfangreiche Quellenbestände, die Baugeschichte nachvollziehbar machen. Nutzen Sie diese Fenster in die Geschichte, um herauszufinden, wie mit einem Haus in der Gegenwart umzugehen oder welcher bauliche Zustand schützenswert ist. Bei einer geplanten Renovierung eines Anwesens sind Archivalien neben dem bestehenden Bauwerk eine der Quellen, die zur Rekonstruktion des Originalzustands und der verschiedenen, im Laufe der Zeit vorgenommenen Umbaumaßnahmen, wichtige Informationen liefern können.

Im Stadtarchiv Wasserburg sind in unterschiedlichen Beständen Quellen zur Bauforschung zu finden. Vor wenigen Jahren wurden die Hausakten aus der Registratur des Stadtbauamtes bis 1950 übernommen und im Archiv verzeichnet. Somit ist eine wichtige Lücke für die baugeschichtliche Erforschung der Stadt geschlossen. Die amtlichen Bauverwaltungsakten vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die Mitte des vergangenen Jahrhunderts sind als Archivgut zugänglich geworden.

Die in den Jahren 2006-2012 neu erschlossenen Bauakten (diese gehören zum Bestand II /Alte Registraturen) des Stadtarchivs Wasserburg am Inn enthalten neben einzelnen Bauvorgängen Originalpläne – wie Grundrisse, Ansichten und Schnitte – der Häuser unserer Stadt, Kanalisationspläne sowie Fassadenskizzen. Ebenso sind behördliche Akten zu Erbauung, Verkauf, Nutzung, Schäden, Umbau und Abbruch von Gebäuden vorhanden. Im Jahr 2013 wurde ein Großteil der amtlichen Planbestände erschlossen, die nun ebenfalls zugänglich sind.

Durch Hausnummernverzeichnisse aus verschiedenen Jahrhunderten lassen sich die Besitzer der Häuser bis mindestens 1796 zurückverfolgen, meist sogar mit Angabe der Berufe, so dass man auf die Nutzung der Häuser schließen kann.

Zu verschiedenen Verwaltungszwecken (z.B. Hausnummernfestsetzung) hat die Stadt amtliche Hausverzeichnisse geführt, die u.a. als wichtige Quelle für die Baugeschichtsforschung dienen.

In der sogenannten Kirmayer-Chronik, der Stadtchronik Wasserburgs , die z.T. in digitaler Form vorliegt, kann man nähere Information über die Bewohner der Anwesen recherchieren. Weiter ist es möglich, einzelne Gebäude in Beziehung mit der Geschichte einer Straße bzw. der Umgebung zu setzen. Besondere Entwicklungen von Häusern ergeben sich beispielsweise aus Katastrophen, wie den beiden Stadtbränden des 19. Jahrhunderts.

Stadtbrand
Schäden des Stadtbrandes 1874

Neben rein bauhistorischen Inhalten bieten die Hausakten im Bestand II, die Kirmayer-Chronik und die weiteren Bestände des Stadtarchivs auch in sozial- und wirtschaftsgeschichtlicher Hinsicht reiche Auswertungsmöglichkeiten. Sie geben Einblicke in Leben und Alltag der Menschen, die in den Gebäuden Wasserburgs wohnten und arbeiteten. Die großen Brandkatastrophen von 1874 und 1885 können anhand der Schadensmeldungen der Hausbesitzer und der eindrucksvollen Fotos der zerstörten Gebäude nachvollzogen werden. Infl ation und Wirtschaftskrise der 1920er Jahre zeichnen sich in den Hausakten ab, wenn z.B. der Bau eines Hauses 1.037.283.131.661.000 Reichsmark kostet oder aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit zahlreiche Mieter um Mietzinssteuernachlass ersuchen. Ebenso findet die Politik der Wohnraumlenkung des Dritten Reichs ihren Niederschlag in den Akten des Stadtbauamts Wasserburg. Einen Überblick der wirtschaftlichen Entwicklung der Region und der hier ansässigen Firmen liefern die in zahlreichen Hausakten vorhandenen Rechnungen und Kostenvoranschläge. Quellen zur Baugeschichte gibt es jedoch nicht nur in schriftlicher Form. Auch sind zahlreiche Fotos zu den einzelnen Gebäuden vorhanden und im Bestand IV (Bildarchiv) erschlossen. In Detailansichten und Aufnahmen ganzer Straßenzüge zeigt sich die äußere Veränderung der Gebäude der Stadt. Ansichtskarten aus verschiedenen Jahrzehnten dokumentieren die bauliche Entwicklung Wasserburgs ebenso. Diese lässt sich überdies in z.T. digital verfügbaren Stadtplänen bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen. Hier zeigt sich nicht nur, wie die Stadt gewachsen ist, sondern auch, wie sich Grundflächen der Anwesenverändert haben, Häuser zusammengelegt oder getrennt wurden und Nebengebäude hinzugekommen sind. Ebenso zur Baugeschichtsforschung herangezogen werden können alte Stiche zur Silhouette Wasserburgs , die sich im Bestand V (Karten und Pläne) finden lassen. Sie bezeugen den Wandel der Fassaden über Jahrhunderte hinweg.

Baugeschichtsforschung im Stadtarchiv - Recherche und Einsichtnahme in die Archivalien

Das Archiv ist öffentlich zugänglich. Unterlagen zur Baugeschichte sind auf Grundlage der Archivsatzung und auf schriftlichen Antrag hin im Archiv persönlich einsehbar und werden hierfür im Leseraum zur Verfügung gestellt. Nach einer einführenden Beratung durch einen Mitarbeiter des Stadtarchivs und der Bereitstellung der benötigten Archivalien können Sie selbst die wichtigsten Daten zu den angefragten Gebäuden zusammentragen. Kenntnisse alter Schriften sind hierfür teilweise erforderlich; Hilfsmittel dazu sind vorhanden. Die Kostenberechnung für Beratung und Bereitstellung der Archivalien erfolgt auf der Grundlage der Gebührensatzung. Es ist möglich, Reproduktionen der Dokumente anfertigen zu lassen.

Empfohlene Systematik der Recherche und Auswertung

(Allgemeine Literaturrecherche)

1. Ermittlung von Besitzer- und Nutzungsinformationen anhand der Hausnummernverzeichnisse (ab 1796 vorhanden).
2. Lokalisierung des Gebäudes anhand von Plänen bis zurück ins 17. Jahrhundert.
3. Prüfung der gewerblichen Nutzung von Gebäuden anhand der Gewerbeakten.
4. Sichtung der in den Hausakten (Bestand II/Stadtbauamt) enthalten Schriftlichkeit, Baupläne, Zeichnungen und Skizzen, welche die bauliche Entwicklung eines Hauses aufzeigen.
5. Zusätzliche Recherche im Bestand II, z.B. Volltextsuche nach Namen und Ereignissen auf Grundlage der bis Punkt 4 erarbeiteten Resultate./Recherche der amtlichen einzelnen Bauplände des Bestandes V (Karten und Pläne).
6. Lesen der Kirmayer-Chronik zur Verknüpfung der bisher gewonnenen Informationen mit weiteren Erkenntnissen, z.B. der hierin enthaltenen Auswertung der Zeitungsüberlieferung.
7. Recherche der Fotobestände des Bildarchivs zur Nachverfolgung der Fassadenänderungen seit Ende des 19. Jahrhunderts sowie Suche in den beigelegten Sammlungen.

Auswertungen durch das Archiv 
Je nach zeitlicher Verfügbarkeit der Mitarbeiter des Stadtarchivs können Grunddaten zu einem Gebäude aus den oben vorgestellten Quellengruppen auch durch das Archiv zusammengestellt werden. Kosten werden auf der Grundlage der Gebührensatzung nach Zeitaufwand berechnet. Es besteht kein Anspruch auf Auswertung durch das Archiv.

Flyer zur Baugeschichtsforschung im Stadtarchiv.