Stadt Wasserburg am Inn

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Heimat am Inn 28/29

Heimatverein (Historischer Verein) e.V. für Wasserburg am Inn und Umgebung in Verbindung mit der Stadt Wasserburg a. Inn (Herausgeber)

HEIMAT AM INN 28/29
Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Wasserburger Landes
Jahrbuch 2008/2009

ISBN: 978-3-9812005-5-3
Verlag WASSERBURGER BÜCHERSTUBE 83512 Wasserburg a. Inn, Wasserburg 2010.

Die neue Heimat am Inn ist ab dem 22.04.2010 in der Bücherstube Wasserburg, im Stadtarchiv Wasserburg oder im Buchhandel für 17 Euro erhältlich.

Darin sind folgende Aufsätze enthalten:

Johann Tomaschek
“In memoria aeterna erit iustus” – Gebetsgedenken für Äbte und Mönche von Attel in österreichischen und bayerischen Klöstern vom 12. Jahrhundert bis in die Zeit um 1700

Gerald Dobler
Der Ölberg im Turmjoch der Wasserburger Stadtpfarrkirche

Ferdinand Steffan
Von „St. Laurentius am Dürnstein“ zur Filialkirche St. Laurentius in Freiham

Laura Scherr 
Die Gemeindeedikte 1808 – Ende und Anfang der kommunalen Selbstverwaltung in Wasserburg (1799-1808)

Michael Pilz
„Sässe ich in München statt im Artilleriefeuer, ich schriebe eher so wie Ihr…“
Ein Brief Peter Schers an Franz Pfemfert über den Dichter Alfred Lichtenstein

Ines Müller 
„Durch Fürsorgelasten überbürdet“
Die Stadt Wasserburg während der Weltwirtschaftskrise 1928 bis 1933

Matthias Haupt
Nachweise zur NS-Zwangsarbeit in der Stadt und im ehemaligen Landkreis Wasserburg a. Inn in Archivalien des Stadtarchivs Wasserburg a. Inn

Matthias Oesterheld
Der Expressionist Friedrich Ludwig – verboten, vergessen, wiederentdeckt

Matthias Oesterheld
Auf der Suche nach der Magie des Augenblicks – Die Bilderwelt des Wasserburger Malers Lois Huber (1923 - 2007)

Zum Inhalt:

Mit dem Doppelband 28/29 konnte der Heimatverein Wasserburg am 19.04.2010 ein reich bebildertes, ca. 350 Seiten umfassendes, Werk vorstellen, das sich mit unterschiedlichsten Themen befasst. Sie reichen von kunstgeschichtlichen Betrachtungen über zeitgeschichtliche Untersuchungen bis zur Würdigung (fast) vergessener Künstler. Und – es werden Fragen beantwortet: Solche, die über das örtliche Interesse hinausgehen und andere, mit mehr lokalen Bezügen. So schreibt Johann Tomaschek über das Gebetsgedenken für Mönche verbrüderter Klöster des Mittelalters und der Frühen Neuzeit und zieht aus den Totengedenkbüchern anderer, oft weit entfernter Klöster mit wissenschaftlicher Akribie Schlüsse über die Besetzung von Leitungsstellen eines Klosters, z.B. auch in Attel.

Gerald Dobler beantwortet die Frage, wo sich im heutigen Innenraum der Pfarrkirche St. Jakob eine kunsthistorisch äußerst wertvolle Darstellung einer Ölbergszene als Freskomalerei befindet, wie sie dorthin kam und was es darüber festzustellen gilt.

Ferdinand Steffan hat nachgeforscht und sagt uns, wo sich die legendäre Einsiedelei mit Kirche „Am Dürnstein" befand; er schreibt über ihre Geschichte, den jetzigen Standort des Gotteshauses und seine Einrichtung. Laura Scherr beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Wirtschaftspolitik der napoleonischen Zeit auf die Kommunen und ihre Selbstverwaltungsrechte und zeigt auf, welche ungesunden Entwicklungen sich ergeben, wenn sich die Staatsgewalt zu sehr in gemeindliche Angelegenheiten einmischt. Ein Lehrstück für Politiker könnten auch die Untersuchungen von Ines Müller über "Wasserburg in der Weltwirtschaftskrise (1928-1933)" sein. Die Autorin zeigt die Folgen der Krise und die Maßnahmen der damaligen, oft wechselnden Regierungen zur Krisenbewältigung auf und schildert, wie sich die Ereignisse auf unser erlebbares Umfeld auswirkten. Damit wird anschaulich, welche Belastungen auf die Kommune Wasserburg und ihre Bewohner zukamen. Hinter dem umfangreichen Tatsachen- und Zahlenmaterial verbergen sich dramatische menschliche Einzelschicksale von Arbeitslosen und ihren Familien sowie von Fürsorgeempfängern aller Art, aber auch das beispielhafte Bemühen um Hilfe für die Armen der Stadt und ihre Kinder.
Ein oft verdrängtes Kapitel vielfach noch erlebter Geschichte schlägt Matthias Haupt auf mit seinem Beitrag über "NS-Zwangsarbeit in der Stadt und im Landkreis Wasserburg", eine Arbeit, die nicht vordergründig anklagt, sondern historisches Schriftgut auswertet, mit Sekundärquellen verknüpft und tragische Einzelbeispiele herausgreift, eine Arbeit, die durch Belegbares schmerzlich erinnert und eindringlich mahnt. Zugleich wird dem Leser die Bedeutung des Archivs als "Gedächtnis der Stadt" vor Augen gehalten, gerade dann, wenn es um die Sensibilisierung des Unrechtsbewusstseins geht, um den Versuch von Versöhnung, Wiedergutmachung und Entschädigung. Die Themen-Vielfalt des Bandes 28/29 der "Heimat am Inn" erfährt noch eine Steigerung durch drei Beiträge über Künstler, einen Literaten und zwei Maler mit unterschiedlichen Bezügen zum Wasserburger Raum. Einen Brief des Schriftstellers und Dichters Peter Scher nimmt Michael Pilz zum Anlass, die Bedeutung des "literarischen Netzwerkers" der frühen Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts zu untersuchen und der Nachwelt zu vermitteln. Mit wissenschaftlicher Akkuratesse versucht Pilz, Peter Scher gerecht zu werden, falsche Einschätzungen zu revidieren und ihm den gemäßen Platz in der Literaturszene der Zeit des Ersten Weltkriegs sowie der Folgejahrzehnte zuzuweisen.

Zwei Kunstmalern, die mehr oder weniger in Vergessenheit geraten sind, setzt Matthias Oesterheld mit seinen erzählenden Kurzbeiträgen ein leistungs- wie auch schicksalsbedingt verdientes Denkmal in der "Heimat am Inn", die wie ihre Vorgänger-Bände Neues vermittelt, Erlebtes in Erinnerung ruft, wissenschaftlichen Ansprüchen genügt und dem Heimatfreund interessanten und nachdenkenswerten Lesestoff bietet. (Hanns Airainer)