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Archivgeschichte 

Im Jahr 1618 wurde das Archiv der Stadt Wasserburg erstmals in den alten „Gerichts- bzw. Gefängnisräumen“ im Rathaus eingerichtet. Damals wurden spezielle Archivschränke (Archivkästen) gebaut, in denen das alte Archiv, dessen Laufzeit von 1301 bis zum 19. Jh. reicht und das zu den umfangreichsten Kommunalarchivbeständen Altbayerns zählt, noch bis zum vollständigen Umzug untergebracht war. Die historischen Archivschränke (Kästen) sind individuell in Fächer und Schubläden unterteilt - Fächer zur Aufbewahrung von Bänden und Akten, Schubläden zur Unterbringung der Urkunden.

Die ursprüngliche Ordnung des Wasserburger Archivs des 17. Jahrhunderts ist nach einer Neuordnung im 19. Jahrhundert heute nicht mehr nachvollziehbar oder rekonstruierbar. Genaueres müsste eine archivgeschichtliche Forschung klären; erste Erkenntnisse konnten im Zusammenhang der Neuerschließung der gesamten Wasserburger Archivbestände jedoch bereits gewonnen und festgehalten werden.

 
Das alte Archiv der Stadt Wasserburg im Rathaus.

Kasten, Fächer, Schubläden.

Seit 1640 gab es erste Inventarisierungsmaßnahmen - einige wenige Archivinventare sind noch vorhanden. Nach 1824 versuchte der Stadtschreiber Joseph Heiserer das Bewusstsein für die reichen Schätze des Stadtarchivs zu wecken und begann, die teilweise über Jahrhunderte in Vergessenheit geratenen Dokumente in eine gewisse Ordnung zu bringen. Eine sachthematische Ordnung und Aufstellung in den Kästen im Lokaturensystem (Beispiel "Kommunalarchiv": Kasten A - Privilegien und Freiheiten der Stadt, Kriegswesen, Äußeres; Kasten B - Salzhandel, Schranne; Kasten C - Steuerwesen u.s.f). war das Ergebnis der Arbeit Heiserers. 1832 wurde in diesem Zusammenhang nach gleichem Ordnungsprinzip ein weiterer Archivraum - das sogenannte Stiftungsarchiv - im Rathaus eingerichtet.

Die mit der hauptamtlichen Besetzung des Stadtarchivs im Jahr 2000 vorgefundene Ordnung des alten Archivs ging noch auf den Stadtschreiber Heiserer zurück. Auf der Grundlage der Systematik des 19. Jahrhunderts wurden auch sämtliche Neuzugänge behandelt und die folgende Archivbetreuung bis hin zur Mikroverfilmung ab 1978 gehandhabt.

Dem allgemein gestiegenen Traditions- und Geschichtsbewusstsein des 19. Jh. folgend, waren es die Bürgermeister und Heimatforschenden Schnepf, Ertl und Winter, die den Archivalienfundus in den alten Gemäuern nach Heiserers Zeit weiter zu durchdringen versuchten. Seit 1905 bis zum Jahr 1930 zeichnete der Stadtarchivar Prof. Kaspar Brunhuber für die Ordnung und Forschung im Archiv Wasserburgs verantwortlich, bevor die zahlreichen Geburtsbriefe (seit 1524 vorhanden) von Archivpfleger und Stadtarchivrat Albert Aschl geordnet und in mehreren Registerbänden verzeichnet worden sind.

Seit den 1930er Jahren bis 1958 machte sich Stadtarchivar Prof. Josef Kirmayer daran, eine Chronik der Stadt Wasserburg zu erarbeiten, die von der Frühgeschichte bis zum Jahr 1957 reicht und in der neueren Zeit v.a. auf die seit 1839 erscheinende Lokalzeitung Bezug nimmt. Nach dem Tod des Prof. Kirmayer wurde das Archiv von der Stadtverwaltung (altes Archiv im Rathaus) und dem Museum (hist. Bibliotheksbestände, Zeitungsarchiv, Teile der Registraturbestände ab 1800, Sammlungsbestände) mitbetreut. Seit 1978 begann man - ebenfalls und immer noch auf der Grundlage der Ordnung des 19. Jahrhunderts - mit der Sicherungsverfilmung des alten Archivs auf Mikrofilm und seit 1996 mit der Digitalisierung der Mikrofilme auf CD-ROM, die Ende des Jahres 2001 zum Abschluss kam.

Eine systematische Erschließung der gesamten Archivbestände durch archivfachlich geschultes Personal hatte es - mit Ausnahme der Geburtsbrieferschließung - jedoch bis dahin nie gegeben. Einige frühere Ordnungsarbeiten haben leider auch Überlieferungszusammenhänge zerstört (Pertinenzordnung), die erst mit einer Neuerschließung teilweise (virtuell) rekonstruiert werden können.

Findlisten und Archivverzeichnisse waren zur Zeit der hauptamtlichen Besetzung des Stadtarchivs im Jahr 2000 demnach nur rudimentär vorhanden, für die jüngeren Archivbestände ab dem 19. Jahrhundert gab es Registraturverzeichnisse.

Neues Archiv
Aufstellung der neu erschlossenen Archivbestände im Magazin des Wasserburger Stadtarchivs an der Kellerstraße.

Die Fertigstellung des neuen Archiv-Zweckbaus in der Kellerstraße  2002 war ebenfalls eine große Zäsur in der Geschichte des Archivs. Die Archivalien konnten nun erstmals zentral unter einem Dach vereinigt werden und das Stadtarchiv wurde als eigenständige Einrichtung innerhalb der Stadtverwaltung etabliert.

Das neue Gebäude wird mit einem hohen technischen Standard den Anforderungen an eine adäquate Unterbringung der Archivbestände gerecht. Die Nutzung des Archivs wird durch alle interessierten Bürger in einem modernen Benützerraum ermöglicht.



Die archivfachliche Erschließungsarbeit des umfangreichen Wasserburger Archivs wird eine der Hauptaufgaben der nächsten Jahre bleiben.


Umzug und Reinigung der Archivbestände des Rathauses und städt. Museums zur Neuerschließung im Stadtarchiv. (Ab dem Jahr 2000 begonnen).


Neuaufbau der Archivtektonik, der Bestandsgliederungen, Neuerschließung des Archivs in Datenbanken und aktiver Bestandsaufbau (Registraturpflege/Sammlungsbestände).
(Ab dem Jahr 2000 begonnen).

Stadtarchiv Wasserburg