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Geschichte des Vereins

Jubiläum 1913-2013

Mit seinem Gründungsjahr 1913 zählt der Heimatverein für Wasserburg und Umgebung (Historischer Verein) e. V. nicht zu den frühesten historischen Vereinen in Bayern. Bürger der Stadt waren jedoch lange vor der Gründung Mitglieder des Historischen Vereins von Oberbayern und die Stadt Wasserburg selbst bemühte sich bereits seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts aktiv um geschichtliche Frage- und Aufgabenstellungen sowie um die Denkmal- oder Heimatpflege. Als im Jahr 1907 Kaspar Brunhuber im Auftrag der Verwaltung ein „Verzeichnis über in hiesiger Stadt noch vorhandene historische Bauteile und sonstige Gegenstände“ anfertigte, könnte er sein Vorhaben der Begründung eines Historischen Vereins bereits im Kopf gehabt haben. Brunhuber, Lehrer und Stadtarchivar, war jedenfalls Initiator der Vereinsgründung und hatte ein paar Jahre später, für den 5. November 1913, zur konstituierenden Versammlung des Historischen Vereins für Wasserburg und Umgebung eingeladen. 21 Herren waren diesem Aufruf gefolgt. Kaum war der Verein gegründet, beschäftigte er sich gemäß dem § 2 seiner Satzung damit, historische Gegenstände und Denkmale zu sammeln und zu bewahren. Bereits 1915 zählten zwanzig Urkunden bzw. kulturhistorische Gegenstände zum Eigentum des Vereins, die den städtischen Einrichtungen wie dem 1888 begründeten Museum und dem Stadtarchiv überlassen wurden. Vorsitzender Kaspar Brunhuber hielt bis zu seinem Tod 1930 unzählige Vorträge, hauptsächlich zu lokalgeschichtlichen Themen, die er durch seine Arbeit als Stadtarchivar überblicken konnte. Damit begann er auch, das bis heute beibehaltene Aufgabenverständnis der Vermittlung stadt- und regionalgeschichtlicher sowie kulturgeschichtlicher Erkenntnisse in Vorträgen und Exkursionen umzusetzen.

Während des Nationalsozialismus nahm die Tätigkeit des Historischen Vereins ab. Gründe dafür zeigt Cornelia Oelwein u.a. in ihrem im Oktober 2013 erschienenen Beitrag zur Geschichte des Vereins auf, in dem sie sich auch mit der Rolle des Vereins im „Dritten Reich“ auseinandersetzte.

Nach dem Krieg ermutigte Josef Noderer zur Neugründung des Vereins und stellte sich von 1946 bis 1948 als geschäftsführender Vorsitzender zur Verfügung. Neuen Schwung in das von Amtsträgern besetzte und vielleicht etwas müde gewordene Vorstandskollegium brachte der 1974 gewählte geschäftsführende Vorstand Siegfried Rieger in den Verein ein, der die Geschicke des Heimatvereins bis 2001 erfolgreich und ausdauernd lenkte. Zu seiner Zeit konnte die Mitgliederzahl erheblich, bis auf zeitweise 479 Mitglieder, erhöht werden. Auch die 1927 begründete Vereinszeitschrift Heimat am Inn wurde nach langer Zeit im Jahr 1980 wiederbelebt und erscheint bis heute regelmäßig. Mit zahlreichen überregionalen Rezensionen von bekannten Landeshistorikern gehört die Reihe ohne Zweifel zu den angesehenen historischen Zeitschriften in Bayern und vermittelt einer großen Leserschaft die jeweils neuesten Erkenntnisse zur Geschichte unserer Region. 2003 folgte Stadtarchivar Matthias Haupt als Geschäftsführender Vorsitzender nach, der u.a. für die Programmgestaltungen verantwortlich zeichnet. Verstärkt durch die Wahl des Bürgermeisters Dr. Martin Geiger zum 1. Vorsitzenden 1990, rückte die Stadt selbst wieder näher an den Verein heran, was bis heute ein Kontinuum ist. Im Dezember 2013 wurde Oberstudiendirektor Peter Rink, Leiter des Luitpold-Gymnasiums Wasserburg, zum 1. Vorsitzenden gewählt.

Als eigene Gruppe innerhalb des Heimatvereins haben sich die „Kellerfreunde“ etabliert. Die Ehrenamtlichen kümmern sich nach Initiative von Witgar Neumaier um die Erfassung und Erhaltung der historischen Bierkelleranlagen in der Wasserburger Kellerstraße. Im Jahr 2002 wurde ein Bierkellermuseum eingerichtet, durch das bis April 2012 bereits 14.000 Gäste geführt werden konnten.

Ein  Vortrag zum Festabend des 100-jährigen Jubiläums des Heimatvereins (Historischen Vereins) Wasserburg a. Inn von Prof. Dr. Manfred Treml im September 2013 kann nachgelesen werden. Den Festvortrag lesen.

Ausführliche Vereinsgeschichte als Heimat am Inn 33/34 erschienen:

Heimatverein (Historischer Verein) e.V. für Wasserburg am Inn und Umgebung in Verbindung mit der Stadt Wasserburg a. Inn (Herausgeber)

HEIMAT AM INN 33/34

Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Wasserburger Landes
Jahrbuch 2013/2014

Festschrift zum 100. Jubiläum des Heimatvereins für Wasserburg a. Inn und Umgebung (Historischer Verein) e.V.

ISBN: 978-3-943911-06-0
Verlag WASSERBURGER BÜCHERSTUBE 83512 Wasserburg a. Inn, Wasserburg 2013.

Die neue Heimat am Inn ist ab sofort in der Bücherstube Wasserburg, im Stadtarchiv Wasserburg oder im Buchhandel für 15,90 Euro erhältlich.

Zum Inhalt:

Mit dem Band 33/34 legt der Heimatverein Wasserburg ein Jahrbuch vor, das als Festschrift zum einhundertjährigen Vereinsjubiläum gedacht ist und sich ausschließlich mit der Geschichte des Vereins, mit seinen Protagonisten und seinen inhaltlichen wie praktischen Verbindungen zu anderen einschlägigen Institutionen befasst.

Die Autoren zeichnen ein bewegtes, anschauliches und wissenschaftlich fundiertes Bild eines Vereins, der sich nunmehr 100 Jahre hindurch der Heimatgeschichte, der Heimatkunde sowie Volkskunde, der Heimatpflege wie auch historischen Sammlungen und geschichtlichen oder kunstgeschichtlichen Veröffentlichungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten und wechselnder Intensität gewidmet hat.

Das Auf und Ab in einem Jahrhundert gewaltiger Umbrüche, politischer Katastrophen, menschlicher Glücksempfindungen und Tragödien sowie technischer Revolutionen ist ebenso herauszulesen wie hervorragende Verdienste, die sich ehrenamtlich tätige Bürger in oft sehr schwierigen äußeren Verhältnissen erworben haben.

Für alle Wasserburger Heimatfreunde bringt die Schrift eine Wiederbegegnung mit Ereignissen und Persönlichkeiten vergangener Tage, für jene, die Aufsätze früherer Ausgaben der "Heimat am Inn" suchen möchten, eine Bibliographie der Reihe seit ihrem Bestehen, für Archive eine der seit Langem gewünschten Vereinshistorien und für "unseren" Heimatverein eine zwar unübliche, aber beispielhaft informative und somit auch würdige Festschrift zum hundertsten Geburtstag.
(Hanns Airainer, Redaktionsmitglied)

Inhaltsverzeichnis:

Vorworte:
1. Bürgermeister der Stadt Wasserburg a. Inn Michael Kölbl
1. Vorsitzender des Heimatvereins Dr. Martin Geiger

Textteil:
Cornelia Oelwein – Die Geschichte des Heimatvereins für Wasserburg und Umgebung (Historischer Verein e.V.)

Sonja Fehler – Von Freundschaften, Feindschaften und einer langen Liebesbeziehung: Der Heimatverein Wasserburg und die städtische Sammlung

Ferdinand Steffan – Die Vorstandschaft des Heimatvereins

Matthias Haupt – Die Veröffentlichungen des Heimatvereins Wasserburg in der Reihe Heimat am Inn

Kurze Chronologie des 100 Jahre jungen Historischen Vereins:

11. Juli 1913: Gründung des Historischen Vereins.
1913-1915: Beginn der Arbeiten im Bereich der Archäologie (z.B.: Identifizierung von Funden am Staudhamer See und in Rott).
1913-1926: Bemühen um Schenkungen an den Verein oder das Museum, aktive Beteiligung und Förderung der Denkmalpflege; Ausdehnung der Vereins-Aktivitäten auf den gesamten Altlandkreis Wasserburg und den Chiemgau.
1914-1919: Anlegen einer Sammlung zum 1. Weltkrieg (mit heute wertvollen Quellenbelegen, u.a.: Post aus der französischen Gefangenschaft, Telegramme mit Kriegsnachrichten).
Beteiligung durch Vereinsarbeit an der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte seit 1928.
Zeitraum 1913-1928: Anlegen einer Lichtbildsammlung; Start der regelmäßigen Veranstaltungen mit Vorträgen und kleineren Publikationen v.a. Kaspar Brunhubers; Kooperation und Zusammenwirken mit dem Leseverein (erste öffentliche Bibliothek Wasserburgs).
1914-1936: Hauptsächliche Erwerbungen für das Heimatmuseum.
1927-1957 Herausgabe und Finanzierung der "Heimat am Inn", Gründung durch Anton Dempf, 1951 Wiederbegründung (Zeitschrift zur Geschichte der Stadt und der Region: „Die Heimat am Inn Sammelblätter aus der Geschichte Wasserburgs und Umgebung“). Was für eine Fülle an Aufsätzen allein in einer der älteren Ausgaben unserer Vereinsreihe steckt, macht das im Stadtarchiv verfügbare Aufsatzverzeichnis der Zeitschrift deutlich.
1948/1949: Organisation und Mitwirkung beim Wasserburger Heimatfest (als wichtiger Beginn der geschichtsforschenden Aktivitäten nach dem 2. Weltkrieg).
1950: Umbenennung des Historischen Vereins in Heimatverein für den Landkreis Wasserburg.
1980-heute: Wiederbegründung und Fortführung der "Heimat am Inn" als Jahresschrift „Beiträge zur Geschichte, Kunst und Kultur des Wasserburger Landes“ vor allem auf Initiative Siegfried Riegers.
1945-heute: Wiederaufnahme der Vortragstätigkeit zur Vermittlung des geschichtlichen Wissens über die Stadt und der Region als grundlegende Vereinsaufgabe. Eine der wichtigsten Aktivitäten des Vereins, neben der Herausgabe der Veröffentlichungsreihe, ist die Weitergabe und die öffentliche Präsentation der neuesten geschichtlichen Forschungen. In bisher ca. 370 Vorträgen seit 1913 zur Kultur-, Kunst, Vor- und Frühgeschichte, Politik und in jüngster Zeit auch neuesten Geschichte (Zeitgeschichte) sowie allgemeinen heimatkundlichen Beiträgen, bspw. auch zur Naturkunde unseres Raumes, konnte der Historische Verein seine Kerntätigkeit beständig fortführen. Immer im Blick: Der lokale, heimatkundliche Bezugspunkt, nie aus dem Blick… die Einbettung und Verknüpfung mit dem aktuellen und überregionalen Forschungsstand.
Schon in der "Vorbesprechung behufs Gründung eines Historischen Vereins für Wasserburg und Umgebung" am 11. Juli 1913 hält Kaspar Brunhuber den ersten Vortrag: "Wasserburgs Handel und Gewerbe im Jahre 1664". Hier ein Querschnitt der kaum zusammenfassbaren folgenden Vortragsveranstaltungen: Dr. A. Mitterwieser: "Die Geschichte des Schlossbaues und die ältere Geschichte der Stadt Wasserburg" (1926), Dr. G. Sigwart: "Der Römerstein in Attel" (1936), E. Richter: "Votivtafelkunde" (1948), G. Hierl: "Die Innschiffahrt" (1949), Dr. A. Hörn: "Die Entwicklung der Dorfkirche" (1955), J. Prantl: "Streifzug durch das Gebiet der Endmoränen im östlichen Teil des Landkreises Wasserburg" (1965), Dr. I. Gierl: "Wunderwelt Schmiedeeisen" (1970), Th. Feulner: "Der Lebensbaum an der äußeren Chorwand der St.-Jakobs-Kirche" (1975), F. Steffan: "Flurdenkmäler" (1983), H. Heres: "Von Hexen und Druden" (1987), im Stadt- und Vereins-Jubiläumsjahr F. Steffan: „Wasserburg – wie es war und wie es hätte werden können“ (1988), Dr. S. Lampl: „Frühe Benediktinersiedlungen“ (1991), Dr. L. Scheidacher: „Leben Joseph Heiserers“ (1994), Prof. Dr. O. Siebeck: „Eggstätter-Hemhofer-Seenplatte“ (2001), div. Referenten: „Zur Geschichte des Klosters Attel 807-2007“ (Jubiläumsjahr Attel) (2007), 100. Jubiläum des Vereins mit zahlreichen Veranstaltungen (2013).
Seit ca.1920-heute: Exkursionsfahrten in die nähere und weitere Umgebung zur „Vernetzung von Geschichte, Kultur und Kunst der Heimat mit jener der Nachbarn“

Heimatverein Wasserburg am Inn und Umgebung