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Heiliggeist-Spitalkirche

„Fenster in die Geschichte“ für die Heiliggeist-Spitalkirche

%22Lage Spitalkirche"

Um wie viel „ärmer“ wäre die Stadt Wasserburg wohl ohne ihre schönen Kirchen?

Doch damit sich die Bürger und Besucher der Stadt auch weiterhin an den Bauten erfreuen können, sind kostspielige Restaurierungen unvermeidlich und äußerst wichtig. So geschehen an der Heilig-Geist-Spitalkirche, welche mit zahlreichen wertvollen Zeitzeugnissen reich be-stückt ist.

Nicht zuletzt die Zusage eines nennenswerten Betrages einer privaten Spende machte es möglich, die Sanierung des Inneren der Spitalkirche mit den erforderlichen Vorbereitungen noch Ende des Jahres 2000 zu beginnen.

%22Innenansicht Spitalkirche"

Zuerst wurde Frau Dr. Karin Berg beauftragt, kunsthistorische Grundlagenermittlungen und Archivrecherchen durchzuführen, deren Ergebnisse als Voraussetzung für die weiteren Be-funduntersuchungen des Restaurators zweckdienlich waren.

Um diese Kunstwerke wieder mit voller Ausdruckskraft ins Leben zu rufen, machten sich im Laufe des Jahres 2001 die Restaurierungswerkstätte Reiner Neubauer mit dem Mitarbeiter Herr Stöger daran, der Spitalkirche neuen „alten“ Glanz zu verleihen.

Nach Aufstellung eines kompletten Innenraumgerüstes wurden zuerst durch eine Spezialfir-ma Risse im Bereich der Innenwände und der angrenzenden Gewölbe verpresst und in Teil-bereichen die nicht sachgemäß ausgeführten Putze erneuert.

In Abstimmung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im München, vertreten durch Herrn Hauptkonservator Dr. Christian Baur, wurden die Konservierungsmaßnahmen der Raumschale begleitet. Nicht zuletzt die vom Restaurator Neubauer durchgeführten Be-funduntersuchungen zeigten, dass es in der Spitalkirche verschiedene Fassungen gibt, die in großen Teilen noch erhalten sind und in mehreren Schichten übereinander liegen.

Nachdem jedoch durch bauliche Änderungen in den verschiedenen Kunstepochen wie Gotik, Renaissance, Barock sowie Manierismus das Zusammenführen einer früheren Fassung nicht mehr möglich erschien, wurde in Abstimmung mit Herrn Dr. Baur entschieden, die Raumschale in der Fassung von 1951 lediglich zu reinigen und soweit erforderlich durch La-suren wieder herzustellen.

Um einen Einblick in die frühere Baugeschichte der Kirche zu zeigen, wurde auf Vorschlag von Herrn Dr. Baur und der Restaurierungswerkstätte entschieden, in verschiedenen Berei-chen sogenannte „Fenster in die Geschichte“ zu öffnen.

Die Gesamtkosten für die Innenrestaurierung und Konservierung der Raumschale betrugen 82.000 Euro, wovon 59.000 Euro durch die Privatspende und Zuschüssen des BLfD- München und des Bezirks Oberbayern gedeckt werden konnten.


Beschreibung der Durchführung der Restauration

In der nordöstlichen Ecke der Kirche konnte das Fragment einer figürlichen Malerei freigelegt werden. Es handelt sich wohl um die Darstellung eines Mönchs in schwarzer Kutte, wobei leider der Kopf einem späteren Eingriff zum Opfer gefallen ist. Die Malerei ist mit einer Dar-stellung im Gewölbe des Kreuzgangs vom Kloster Seeon vergleichbar, die der Renaissance-zeit angehört. Wie weit allerdings stilistische Ähnlichkeiten vorliegen, kann ohne Fotomaterial nicht gesagt werden.

In der Nähe dieser Malerei, deren Fehlstellen bereits retuschiert worden sind, hat Herr Stö-ger eine wohl noch dem Mittelalter angehörige Oxydrate und schwarz abgesetzte Schicht freigelegt sowie Abtreppungen bis hinauf zu den Schichten 8 und 10 sowie 18-20.

Seitens der Denkmalpflege wird empfohlen, die Malerei und die zugehörigen Schichte-nabtreppungen frei, als „Fenster in die Geschichte“ stehen zu lassen, zumal die Bindung der Malschicht keinen Anlass zur Sorge gibt. Es wurde jedoch empfohlen, die drei Öffnungen zu beschneiden und die Sprünge der Putze abzuböschen, so dass sich ein ruhiges Gesamtbild ergibt.

Die Reinigung und Konservierung der barocken Golgathadarstellung, die die Engel mit den Leidenswerkzeugen einschließt, ist weitgehend abgeschlossen. Auch wurden die zahlrei-chen Risse ausgekittet und retuschiert. Ein Problem besteht noch darin, dass die Malerei in einer „fetten Technik“ ausgeführt wurde und nun die Kittungen und Retuschen sich stumpf von glänzenden Flächen abheben. Gegebenenfalls muss man bei normaler Beleuchtung überlegen, ob hier noch Korrekturen erforderlich sind.

Im Bereich der benachbarten Schildwand konnte die Malerei zweier Hände, die eine Krone halten, freigelegt werden. Möglicherweise gehörte diese Darstellung ursprünglich zu einer Marienkrönung, wobei die darunter befindliche vermauerte Nische auch dafür sprechen könnte, dass sich hier eine Skulptur befand, auf die sich die Malerei bezog.

Bedingt durch Beobachtungen im Streiflicht hatte der Restaurator die Vermutung, dass sich oberhalb und links von der Krone noch weitere Malereireste befinden, während unterhalb der jetzigen Freilegung der Putz gestört ist. Seitens des Landesamts für Denkmalpflege wurde jedoch empfohlen, zumindest keine Suchöffnungen anzulegen, damit in Erfahrung gebracht werden kann, ob mit weiteren Funden zu rechnen ist.


Kurzchronologie der Hl.-Geist-Spitalkirche in Wasserburg